Bayer Verzweifelter Kampf ums Patent
New York/Leverkusen Mit einer "Nachricht an das amerikanische Volk" ging die US-Tochter von Bayer in die Offensive. Mit ganzseitigen Anzeigen in allen großen amerikanischen Tageszeitungen erklärt die Firma ihre unbedingten Willen, den "Kampf gegen den Bioterrorismus" aufzunehmen und die Pillen-Produktion aufzustocken.
Darüber hinaus versicherte Bayer in einer Mitteilung, alle Ciprobay-Anforderungen der amerikanischen und der kanadischen Regierung erfüllen zu wollen. "Wir sagen weiterhin zu, dass wir auch in Zukunft jeglichen Notstandsbedarf der beiden nordamerikanischen Regierungen nachkommen werden", erklärte Wolfgang Plischke, der Präsident der nordamerikanischen Bayer-Pharma-Sparte.
Die kanadische Regierung bekam sogar 200.000 der heißbegehrten Ciprobay-Tabletten geschenkt als Notfallreserve. Damit will der Bayer-Konzern offenbar seinen Patentschutz retten, den er durch das Vorgehen Kanadas verletzt sieht. Diese hatte 900.000 Tabletten mit dem Wirkstoff Ciprofloxacin bei einem Hersteller von Nachahmer-Produkten bestellt.
Verängstigte Amerikaner hatten ihre Ärzte und Apotheken in den vergangenen Wochen mit Ciprobay-Anfragen überschüttet. US-Senator Charles Schumer brachte Bayer unter zusätzlichen Druck, indem er verlangte, dass auch auf billige Nachahmerprodukte zurückgegriffen werden sollte. Die US-Regierung will den Patentschutz derzeit nicht aushöhlen. Das US-Patent für Ciprobay läuft Ende 2003 aus. Bayer hat zugesichert, die Tablettenproduktion in den USA zu verdreifachen.