Börse am Mittag: Infineon dreht ins Plus - DER SPIEGEL
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Börse am Mittag Infineon dreht ins Plus

Trotz verhaltener Konjunkturdaten und schlechter Unternehmensnachrichten klettern die deutschen Aktienmärkte nach oben. Die Infineon-Aktie hat sich nach Vorlage der Geschäftszahlen aus der Verlustzone befreien können.
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Frankfurt am Main – Nach einem schwachen Start drehte der Dax im Handelsverlauf ins Plus und legte bis 12.30 Uhr 0,5 Prozent auf 5791 Punkte zu. Der Nemax 50 kletterte um 1,4 Prozent auf 1134 Zähler.

Dabei hatte das Ifo-Institut am Vormittag den Geschäftsklimaindex für Juni bekannt gegeben und die Stimmung am Markt belastet. Gegenüber dem Vormonat fiel das Stimmungsbarometer für Westdeutschland gegenüber dem Vormonat von 90,8 auf 89,5 Punkte. Für Ostdeutschland ergibt sich im Monatsvergleich ein Rückgang von 104,7 auf 102,1. Damit fiel der Geschäftsklimaindex den fünften Monat in Folge und auf den niedrigsten Stand seit August 1996.

Im Blickpunkt der Anleger standen die von Infineon gemeldeten Quartalszahlen. Wie erwartet stieg der Verlust drastisch. Das Unternehmen gab für das dritte Quartal des laufenden Geschäftsjahres einen Fehlbetrag vor Steuern und Zinsen von 598 Millionen Euro bekannt. Belastend wirkte sich vor allem der schwache Ausblick aus. Es gebe keine eindeutigen Anzeichen für eine Markterholung, teilte Infineon mit. Die Aktie drehte nach massiven Verlusten im frühen Handel dennoch ins Plus und legte 0,4 Prozent auf 27,40 Euro zu.

Am Abend werden noch weitere Zahlen aus den USA erwartet, unter anderem von Amazon.com, Altera, Bell South, Computer Associates und Texas Instruments.

Versicherer deutlich im Plus

Die Gewinnerliste im Dax wurde angeführt von den Aktien der Münchener Rück, die 2,7 Prozent auf 326 Euro zulegten. Allianz-Titel kletterten um 1,8 Prozent auf 313 Euro. Mit der Übernahme der Dresdner Bank durch die Allianz wurden die Aktien der Dresdner aus dem Edelsegment der Deutschen Börse herausgenommen. Neueinsteiger ist der Finanzdienstleister MLP, der allerdings ein schwaches Debüt feierte. Die Aktie verlor an ihrem ersten Handelstag im Dax 1,6 Prozent auf 104,27 Euro.

Die Titel von SAP haben sich im Handelsverlauf überraschend ins Plus geschoben und legten 1,8 Prozent auf 158,84 Euro zu. Der Softwarehersteller muss nach eigenen Angaben auf Grund von Verlusten beim US-Softwareanbieter Commerce One seinen Halbjahresüberschuss um rund 90 Millionen Euro nach unten revidieren. SAP ist an Commerce One beteiligt.

Auch die anderen Technologiewerte kämpften sich langsam nach oben. So erkämpften sich die Titel von Siemens nach einem schwachen Start ein kleines Plus bei 60,37 Euro, während Epcos-Papiere ihre Verluste auf minus 0,4 Prozent bei 53,80 Euro reduzierten.

Die "Aktie Gelb" verbilligte sich um 2,6 Prozent auf 18,22 Euro und war schwächster Wert im Dax. Die Regierung will möglicherweise weitere Anteile an der Deutschen Post verkaufen, hieß es am Wochenende in Medienberichten. Dazu soll ein neues Gesetz ausgearbeitet werden, wonach die Bundesregierung nicht mehr gezwungen sein wird, die Mehrheit an dem Unternehmen zu halten.

Ebenfalls deutlich im Minus notierten die Titel von DaimlerChrysler, die 2,1 Prozent auf 56,57 Euro abgaben. Die Aktie wird von negativen Nachrichten über die Tochter Freightliner belastet. Der amerikanische LKW-Bauer soll in diesem Jahr einen Milliardenverlust erwirtschaften. Zudem hat Goldman Sachs eine verhaltene Analyse zu dem Wert erstellt. Die Anteilsscheine der Konkurrenten BMW (plus 0,2 Prozent auf 39,35 Euro) und Volkswagen (minus 0,3 Prozent auf 51,08 Euro) notierten uneinheitlich.

Neuer Markt verharrt im Stimmungstief

Händler am Neuen Markt sprachen von einer "verhaltenen" Stimmung. Die Talfahrt der vergangenen Woche werde sich vermutlich fortsetzen. "Wir werden weiterdümpeln", sagte ein anderer Marktteilnehmer.

An der Spitze der Nemax-50-Gewinnerliste standen die Aktien von Adva, die zehn Prozent auf 3,52 Euro gewannen.

Die ACG-Aktie legte 1,8 Prozent auf 7,46 Euro zu. Am Freitag hatte der Wert mehr als 20 Prozent verloren, nachdem das Unternehmen mitgeteilt hatte, dass Vorstandschef Peter Bohn mit sofortiger Wirkung sein Amt niederlegt. Nach Ansicht eines Händlers handelt es sich bei dem heutigen Kursanstieg um eine Gegenreaktion auf den Kurseinbruch von Freitag.

Die Aktien von Balda verbesserten sich um 3,2 Prozent auf 7,21 Euro. Der Hersteller von Kunststoffschalen für Mobiltelefone hatte am Morgen Halbjahreszahlen vorgelegt - die ersten Zahlen zum laufenden Geschäft seit der Gewinnwarnung vor rund einem Monat. Den Angaben zufolge wurde ein Umsatzwachstum von 64 Prozent auf 84 Millionen Euro erzielt. Der Jahresüberschuss verringerte sich dagegen um zwölf Prozent auf 2,8 Millionen Euro. Das Ergebnis pro Aktie ging dagegen von 0,095 Euro auf 0,083 Euro zurück. Balda setzt auf eine Marktbelebung im zweiten Halbjahr. Für 2002 rechnet das Unternehmen mit einem Umsatzwachstum von rund 30 Prozent.

QSC-Titel stiegen 15,4 Prozent auf 1,80 Euro. Der Anbieter von DSL-Internetzugängen hat nach vorläufigen Zahlen den Umsatz im 2. Quartal um 34 Prozent auf über sieben Millionen Euro gesteigert.

Nikkei auf 16-Jahrestief

Die asiatische Leitbörse in Tokio hat ihre dramatische Talfahrt am Montag fortgesetzt. Der Nikkei-Index für 225 führende Werte stürzte auf den tiefsten Stand seit 16 Jahren. Zum Schluss notierte das Börsenbarometer einen schweren Verlust von 298,76 Punkten oder 2,5 Prozent beim Stand von 11.609 Punkten.

Der breiter angelegte Topix brach ebenfalls weiter ein und ging mit einem Abschlag von 31,49 Punkten oder 2,6 Prozent mit 1163 Zählern aus dem Markt.

Euro notiert schwächer

Die europäische Gemeinschaftswährung ist von dem unerwartet schwachen Ifo-Geschäftsklimaindex kaum belastet worden. Ein Euro kostete gegen 12.10 Uhr 0,869 Dollar. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs am Freitag auf 0,8776 Dollar festgesetzt nach 0,8723 Dollar am Donnerstag. Der Dollar kostete damit 2,2286 (2,2422) Mark.