Börse am Vormittag: Versicherer gefragt - DER SPIEGEL
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Börse am Vormittag Versicherer gefragt

Die Allianz und Münchner Rück stemmen sich gegen den Abwärtstrend im Dax. Unter Kursabschlägen leiden wieder die Technologiewerte. Der Neue Markt hat seine Talfahrt vorerst gestoppt.
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Frankfurt am Main - Der Dax verharrte am Vormittag im Minus und verlor bis 11 Uhr 0,7 Prozent auf 5726 Punkte. Besser machte es der Neue Markt: Nach einer schwachen Eröffnung kletterte der Nemax 50 um 0,2 Prozent auf 1121 Zähler.

Am Vormittag hat das Ifo-Institut den Geschäftsklimaindex für Juni bekannt gegeben und die Stimmung am Markt weiter getrübt. Gegenüber dem Vormonat fiel das Stimmungsbarometer für Westdeutschland gegenüber dem Vormonat von 90,8 auf 89,5 Punkte. Für Ostdeutschland ergibt sich im Monatsvergleich ein Rückgang von 104,7 auf 102,1. Damit fiel der Geschäftsklimaindex den fünften Monat in Folge auf den niedrigsten Stand seit August 1996.

Im Blickpunkt der Anleger standen die von Infineon gemeldeten Quartalszahlen. Wie erwartet stieg der Verlust drastisch. Das Unternehmen gab für das dritte Quartal des laufenden Geschäftsjahres einen Fehlbetrag vor Steuern und Zinsen von 598 Millionen Euro bekannt. Belastend wirkte sich vor allem der schwache Ausblick aus. Es gebe keine eindeutigen Anzeichen für eine Markterholung, teilte Infineon mit. Die Aktie fiel um 2,6 Prozent auf 26,58 Euro.

Im weiteren Handelsverlauf werden noch Zahlen von Börsenschwergewichten aus den USA erwartet. Unter anderem geben Amazon.com, Altera, Bell South, Computer Associates und Texas Instruments Aufschluss über ihre Geschäfte. Im Fokus stehen wieder die Technologiewerte. Nachdem in der vergangenen Woche Microsoft, Intel und IBM verhaltene bis negative Prognosen für die kommenden Monate ausgaben, warten Anleger jetzt auf positive Nachrichten.

MLP startet mit Verlusten im Dax

Das Debüt der MLP-Aktie im Dax ging gründlich schief. Der Titel verlor 2,8 Prozent auf 103 Euro und war schwächster Wert im Edelsegment der Deutschen Börse. MLP hat den Platz der Dresdner Bank im Dax eingenommen, die von der Allianz übernommen wurde. Die Titel des Versicherungsriesen gewannen 0,8 Prozent auf 309,95 Euro und führten den Dax an.

Hinter der Allianz notierten nur noch die Aktien der Münchner Rück (plus 0,7 Prozent auf 319,50 Euro), RWE (plus 0,4 Prozent auf 49,50 Euro) und Lufthansa (plus 0,3 Prozent auf 19 Euro) im Plus. Aufgrund der Schwäche im Technologiesektor und den verhaltenen Konjunkturaussichten investieren Anleger wieder verstärkt in defensive Titel.

Neben Infineon notierten auch die Technologiewerte von Epcos (minus 2,6 Prozent auf 52,60 Euro) und Siemens (minus 2,2 Prozent auf 59 Euro) schwächer. Die SAP-Aktie gab 1,3 Prozent auf 154 Euro ab. Der Softwarehersteller muss nach eigenen Angaben auf Grund von Verlusten beim US-Softwareanbieter Commerce One seinen Halbjahresüberschuss um rund 90 Millionen Euro nach unten revidieren. SAP ist an Commerce One beteiligt.

Die "Aktie Gelb" verbilligte sich um 2,8 Prozent auf 18,18 Euro. Die Regierung will möglicherweise weitere Anteile an der Deutschen Post verkaufen, hieß es am Wochenende in Medienberichten. Dazu soll ein neues Gesetz ausgearbeitet werden, wonach die Bundesregierung nicht mehr gezwungen sein wird, die Mehrheit an dem Unternehmen zu halten.

Ebenfalls deutlich im Minus notierten die Titel von DaimlerChrysler, die 1,7 Prozent auf 56,80 Euro abgaben. Die Aktie wird von negativen Nachrichten über die Tochter Freightliner belastet. Der amerikanische LKW-Bauer soll in diesem Jahr einen Milliardenverlust erwirtschaften. Auch die Anteilsscheine der Konkurrenten BMW (minus 1,7 Prozent auf 38,60 Euro) und Volkswagen (minus 0,7 Prozent auf 50,87 Euro) gaben nach.

Neuer Markt verharrt im Stimmungstief

Händler am Neuen Markt sprachen von einer "verhaltenen" Stimmung. Die Talfahrt der vergangenen Woche werde sich vermutlich fortsetzen. "Wir werden weiterdümpeln", sagte ein anderer Marktteilnehmer.

Gegen den Trend legte die ACG-Aktie deutlich zu und gewann knapp fünf Prozent auf 7,69 Euro. Am Freitag hatte der Wert mehr als 20 Prozent verloren, nachdem das Unternehmen mitgeteilt hatte, dass Vorstandschef Peter Bohn mit sofortiger Wirkung sein Amt niederlegt. Nach Ansicht eines Händlers handelt es sich bei dem heutigen Kursanstieg um eine Gegenreaktion auf den Kurseinbruch von Freitag.

Die Aktien von Balda verbesserten sich um 4,4 Prozent auf 7,30 Euro. Der Hersteller von Kunststoffschalen für Mobiltelefone hatte am Morgen Halbjahreszahlen vorgelegt - die ersten Zahlen zum laufenden Geschäft seit der Gewinnwarnung vor rund einem Monat. Den Angaben zufolge wurde ein Umsatzwachstum von 64 Prozent auf 84,0 Millionen Euro erzielt. Der Jahresüberschuss verringerte sich dagegen um zwölf Prozent auf 2,8 Millionen Euro. Das Ergebnis pro Aktie ging dagegen von 0,095 Euro auf 0,083 Euro zurück. Balda setzt auf eine Marktbelebung im zweiten Halbjahr. Für 2002 rechnet das Unternehmen mit einem Umsatzwachstum von rund 30 Prozent.

QSC-Titel stiegen 13,5 Prozent auf 1,77 Euro. Der Anbieter von DSL-Internetzugängen hat nach vorläufigen Zahlen den Umsatz im 2. Quartal um 34 Prozent auf über sieben Millionen Euro gesteigert.

Der Telekom-Dienstleister Telegate will in den spanischen Markt einsteigen. Dank der Liberalisierung des Auskunftsmarktes habe Telegate große Chancen, auch in Spanien in den kommenden Monaten die Nummer 11880 zu bekommen, hieß es. Die Ankündigung wurde an der Börse mit einem Kursaufschlag von 1,8 Prozent auf 6,97 Euro honoriert.

Nikkei auf 16-Jahrestief

Die asiatische Leitbörse in Tokio hat ihre dramatische Talfahrt am Montag fortgesetzt. Der Nikkei-Index für 225 führende Werte stürzte auf den tiefsten Stand seit 16 Jahren. Zum Schluss notierte das Börsenbarometer einen schweren Verlust von 298,76 Punkten oder 2,5 Prozent beim Stand von 11.609 Punkten.

Der breiter angelegte Topix brach ebenfalls weiter ein und ging mit einem Abschlag von 31,49 Punkten oder 2,6 Prozent mit 1163 Zählern aus dem Markt.

An der Wall Street hatte am Freitag die Gewinnwarnung von Microsoft die Börsianer negativ überrascht. Der Dow Jones gab um 0,3 Prozent nach, auf einen Stand von 10.577 Punkten. Der breiter gefächerte S&P 500 fiel um 0,3 Prozent auf 1211 Zähler zurück. Die Nasdaq verlor 0,8 Prozent auf 2029 Punkte.

Euro notiert schwächer

Die europäische Gemeinschaftswährung kostete gegen 11.00 Uhr 0,8688 Dollar und konnte die Marke von 0,87 Dollar nicht verteidigen. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs am Freitag auf 0,8776 Dollar festgesetzt nach 0,8723 Dollar am Donnerstag. Der Dollar kostete damit 2,2286 (2,2422) Mark.