Coca-Cola Großreinemachen im Marketing
Atlanta - Im letzten Monat habe der Softdrink-Konzern aus Atlanta 80 Stellen gestrichen, viele davon in den mit Werbung befassten Abteilungen. Darunter ist auch der Posten von Nick Bishop, der bisher "Vice President of Consumer Connections" war und die Anzeigenabteilung von Coca-Cola führte. Bishop habe den Coke-Konzern nun definitiv verlassen, zitiert das US-Regionalblatt "Atlanta Journal-Constitution" einen Unternehmenssprecher.
Bishop war bisher direkt dem Marketing-Vorstand Steve Jones unterstellt. Er war erst im August 2000 zu Coca-Cola gekommen, nachdem er 15 Jahre lang für die Agentur Interpublic gearbeitet hatte. Auch Jan Hall, bisher Chef der Abteilung "Consumer Marketing", ist nicht mehr für Coca-Cola-Werbung zuständig, sondern kümmert sich nun um die Marken Sprite, Dasani und Powerade.
So sucht Coca-Cola weiterhin einen Leiter, der das Marken-Marketing für Coke Classic und Diet Coke betreut. Der bisher für diesen Posten vorgesehene Joe Scalzo hat Coca-Cola überraschend den Rücken gekehrt und ist in eine Führungsposition beim Rasiererhersteller Gilette gewechselt.
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Coca-Cola hat schon im Frühjahr angesichts der Marktanteilszugewinne seines Konkurrenten Pepsi, der zudem einen langjährigen Werbevertrag mit Britney Spears abgeschlossen hat, seinen Werbeetat deutlich erhöht. Anfang Oktober startete eine 150 Millionen Dollar teuere Kampagne, die mit Motiven aus dem Harry-Potter-Film wirbt. Coca-Cola will in den USA mehr als 850 Millionen Packungen von Coke, Minutemaid und Hi-C mit Potter-Bildern bedrucken.
Branchenexperten beschreiben das Coke-Marketing seit langem als chaotisch organisiert, ineffizient und überteuert. Erst Anfang Oktober hatte Coca-Cola die weltweiten Etats für Sprite-Brause von Lowe Lintas an Ogilvy & Mather übertragen - nicht der erste Agentur-Wechsel.
Hysterische Oma verärgert Kundschaft
Im Frühjahr hatte sich Coke mit einer Kampagne verspekuliert, die gegen das jugendlichere Image von Pepsi ankämpfen sollte: Die New Yorker Agentur Cliff Freeman & Partners produzierte mehrere Fernsehspots, in denen unter anderem eine greise, im Rollstuhl sitzende Großmutter bei einer Familienfeier hysterisch wird, weil keine Coke serviert wird. Verärgerte Fernsehzuschauer bombardierten die Unternehmenszentrale in Atlanta daraufhin mit Protestanrufen und -schreiben und kritisierten die Spots als zynisch und familienfeindlich. Die Kampagne wurde nach wenigen Wochen eingestampft.
Zur Verwirrung trug bei, dass Coke anlässlich des fünfzigsten Jubliäums der Coca-Cola-Werbung gleichzeitig klassische Werbespots aus früheren Jahren erneut im Fernsehen ausstrahlen ließ. Der älteste dieser historischen Filme stammte aus dem Jahr 1979 und hatte mit dem dezidiert provokanten Ton der Cliff-Freeman-Werbung wenig gemein. Marketing-Kenner bemängelten, Coke habe schwere Probleme mit seiner Zielgruppenstrategie. Es bereite dem Konzern große Mühe, sowohl für Eltern als auch Teenager attraktiv zu erscheinen.
Auch die Terroranschläge vom 11. September haben die Werbewelt bei Coca-Cola kräftig durcheinandergewirbelt. Den ganzen Sommer hatten Coke und der nun gefeuerte Nick Bishop zusammen mit der umversetzten Jan Hall und Marketing-Vorstand Jones eine neue Kampagne geplant, die wiederum auf ein jugendliches Publikum zielte. Ihr wichtigster Slogan "Life tastes good" schien den Coke-Chefs aber nicht in die Zeit nach den Attacken in New York und Washington zu passen - also wurde auch diese Werbestrategie verworfen. Nun kommt es darauf an, dass die PR-Strategen bei Coca-Cola nicht noch einmal patzen - sonst könnte auch die nächste Sieg im Spiel um Marktanteile an Pepsi und seine Werbeträgerin Britney gehen.