Computergrafik: Das Ausmaß des WTC-Desasters - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Computergrafik Das Ausmaß des WTC-Desasters

Experten haben die Schäden in Süd-Manhattan inzwischen genau untersucht und aufgelistet. Eindrucksvoller als alle Statistiken dokumentieren jedoch computergenerierte, dreidimensionale Karten das Ausmaß der Zerstörung.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

New York - Weltweit mühten sich Politiker und Kommentatoren nach den Anschlägen auf das World Trade Center, das Geschehene in Worte zu fassen. An den Analysen, Kommentaren und Traueransprachen hat sich Alan Hevesi, so genannter Comptroller von New York, nicht beteiligt. Das ist nicht sein Job. Das Metier des Stadtkämmerers sind Zahlen. Bereits kurz nach dem Einsturz der Zwillingstürme machten sich Hevesi und seine Leute daran, die entstandenen Schäden zu berechnen.

In Hevesis Bericht über die Auswirkungen der Anschläge auf New Yorks wirtschaftliche und fiskalische Situation werden selbst menschliche Tragödien zu Zahlen: Etwa zwei Millionen Dollar, so der Comptroller, wäre jedes WTC-Opfer im Schnitt noch wert gewesen. Volkswirtschaftlich gesehen. Hevesi betont allerdings, dass sich das menschliche Leid der Katastrophe nicht beziffern lässt.

Streit über die Kosten der Terroranschläge

Einfacher zu bemessen und deshalb auch genauer untersucht sind die Gebäudeschäden. Die Stadt New York hat errechnet, dass die Katastrophe 1,6 Millionen Quadratmeter Bürofläche zerstört hat - weitere 1,2 Millionen Quadratmeter wurden beschädigt. Bei dieser Zahl sind weder das im WTC-Gebäude III untergebrachte Mariott Hotel eingerechnet, noch die umliegenden Gebäude. Diese sind nach dem Einsturz der Türme mit Asche und Staub bedeckt und müssen gesäubert werden (siehe Karte). Bei den Büroflächen handelt es sich laut dem Bericht des Comptrollers ausschließlich um "Class A"-Immobilien - beste Lage, exorbitante Mieten.

Wie viel das alles kostet, ist umstritten. Den Sachschaden beziffert New York auf 34 Milliarden Dollar. Hinzu kommt ein Rattenschwanz von Folgekosten. Eine Studie der Assekuranz Münchener Rück   listet auf, dass neben den "Gebäude- und Inhaltsschäden" auch Ertragsausfälle, entgangene Mieteinnahmen oder Reinigungs- und Aufräumkosten mit berücksichtigt werden müssen. Allein für den letzten Posten hat die Stadt mehr als sechs Milliarden Dollar budgetiert - 200.000 Tonnen Stahl und 325.000 Kubikmeter Beton müssen weggeräumt werden - genug Material für 20 Eiffeltürme und einen Trottoir, der von New York bis nach Washington D.C. führt.

Selbst zerstörte Parkflächen fließen in die Rechnung ein

Die Münchner Rück geht von "volkswirtschaftlichen Sach- und Kostenschäden" in Höhe von insgesamt zehn bis zwölf Milliarden Dollar aus. Die Stadt New York rechnet mindestens mit der achtfachen Summe. Das hat Comptroller Hevesi den Vorwurf eingebracht, er rechne die Schäden künstlich hoch, indem er sogar Parknöllchen mit einbezöge, welche der Stadt entgingen: insgesamt 448 Millionen Dollar bis Ende 2003.

Besonders deutlich wird der Schaden auf den dreidimensionalen Karten, welche das New Yorker Softwareunternehmen Urban Data Solutions angefertigt hat. Die Karte zeigt Süd-Manhattan vor dem 11. September 2001, alle wichtigen Gebäude sind farblich gekennzeichnet, nach dem Grad der späteren Zerstörung. Die grafische Darstellung zeigt auch, dass selbst Bürogebäude wie 100 Gold Street gesäubert werden müssen, die sich relativ weit vom "Ground Zero" befinden, dem ehemaligen Standort der Zwillingstürme.

Was New Yorks Finanzen angeht, sieht der Stadtkämmerer mittelfristig große Schwierigkeiten auf die Stadt zukommen. Dem nächsten Bürgermeister dürften etwa vier Milliarden Dollar pro Haushaltsjahr fehlen. "Jetzt geht es noch. Aber nächstes Jahr", so Hevesi, "bekommen wir ein richtiges Problem."