ConSors Wird der Broker zum Discount-Preis verkauft?
Nürnberg - Der Nachrichtensender n-tv berichtete am Montag unter Berufung auf informierte Kreise, das Bankenkonsortium, das die SchmidtBank mittelfristig auflösen wolle, suche nach einem Käufer für den Online-Broker. Seine Probleme gelten als eine der Hauptursachen für den Niedergang des 173 Jahre alten, oberfränkischen Traditionshauses. Nach einem Bericht des SPIEGEL soll die SchmidtBank wegen der Überwertung ihrer Anteile an dem Direkt-Broker einen Wertberichtigungsbedarf von 400 Millionen Euro haben.
An der Frankfurter Börse wurden die Aktien von ConSors am Montag in hohen Stückzahlen auf den Markt geworfen worden. Gegen elf Uhr hatte die Aktie bereits um elf Prozent nachgegeben und lag damit in einem sehr freundlichen Marktumfeld an der Spitze der Verliererliste. Das Papier war damit noch 11,18 Euro wert. Der Nemax 50 lag zur selben Zeit um 4,35 Prozent im Plus.
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Für die Händler ist es offenbar bereits ausgemachte Sache, dass die Auffanggesellschaft die ConSors-Anteile "höchstwahrscheinlich zu jedem Preis verkaufen" wird. Vor den Sanierungsbemühungen habe die SchmidtBank für die ConSors-Aktie "anscheinend den Einstandspreis zwischen 30 und 40 Euro erzielen wollen." Diese Preisvorstellung sei angesichts der derzeitigen Börsenlage "natürlich jenseits von Gut und Böse gewesen."
"In den kommenden Tagen wird der Aktienkurs bestimmt stark schwanken", prognostizierte ein Händler in Frankfurt. Wesentlich sei, was die neuen Eigentümer, die die Aktienpakete durch die Sanierung der SchmidtBank übernommen hätten, jetzt mit den Papieren vorhätten. Deren Pläne seien derzeit vollkommen unklar. "Diese Unsicherheit vertreibt derzeit jeden Anleger", hieß es. "Warum soll ich die defizitäre ConSors zu zehn Euro kaufen, wenn ich zum gleichen Preis die besser aufgestellte Comdirect-Aktie bekomme?", fragte der Händler.
ConSors selbst teilte am Montag ad hoc mit, die Geschäfte liefen "uneingeschränkt und unabhängig wie bisher weiter."
Am Sonntag hatte der Bundesverband deutscher Banken die Gründung einer Auffanggesellschaft bekannt gegeben, die die SchmidtBank übernimmt. Das oberfränkische Bankhaus solle unter Trägerschaft der HypoVereinsbank , der Commerzbank , der Deutschen Bank , der Dresdner Bank sowie der Bayerischen Landesbank-Girozentrale neu strukturiert werden. Die Familie Schmidt werde als bisheriger Hauptaktionär des 173 Jahre alten Traditionshauses ihre Anteile von 65 Prozent an die neue Gesellschaft abgeben. Bank-Chef Karl Gerhard Schmidt hatte das Rettungskonzept begrüßt.
- manager magazin:Online in die Krise - Die Fehler der Direktbroker
- manager-magazin.de:Reichste Deutsche - Privatbankchef Karl Gerhard Schmidt
In mehreren Presseberichten hieß es am Wochenende unter Berufung auf Bankenkreise, die Bankenriesen wollten die SchmidtBank innerhalb von zwei bis drei Jahren abwickeln. Eine Sanierung rechne sich auf Grund der starken finanziellen Schieflage und des allgemein schlechten Marktumfeldes nicht. Die für die Abwicklung anfallenden Kosten übernehme allein der Sicherungsfonds. Die Anteile der Familie Schmidt seien zu einem geringen symbolischen Preis erworben worden, hieß es aus gut informierten Kreisen.