DaimlerChrysler Schrempp verteidigt seine Strategie
Berlin- "Wir sind mit der Entwicklung des Aktienkurses natürlich nicht zufrieden", sagte Schrempp auf der Hauptversammlung in Berlin. Angesichts eines "außerordentlich schwierigen Umfelds seitlich tendierender Weltbörsen" sei die Entwicklung des DaimlerChrysler-Papiers im vergangenen Geschäftsjahr allerdings so schlecht nicht gewesen. "Wir haben klare Fortschritte erzielt," so der Vorstandschef weiter. "Wir haben das Gewinnziel erreicht."
Die Fondsgesellschaft Union Investment kritisierte hingegen die Wertentwicklung der Aktie. DaimlerChrysler habe sich sowohl im Branchenvergleich als auch im Vergleich zum Dax schlechter entwickelt, sagte Fondsmanager Thomas Meier am Mittwoch. Im vergangenen Jahr habe der Dax ein Plus erzielt, während die Daimler-Papiere um 0,6 Prozent verloren hätten. Auch in den vergangenen fünf Jahren habe der Konzern schlechter abgeschnitten als der Dax und die weltweite Automobilbranche.
Meier kritisierte in diesem Zusammenhang die wenig überzeugenden operativen Ergebnisse. Die Probleme bei Smart und Mercedes-Benz deuteten auf erhebliche Managementfehler hin. Meier sagte seine Fondsgesellschaft werde sich bei der Entlastung von Vorstand und Aufsichtsrat der Stimme enthalten. Die Union Invest hält derzeit 15 Millionen Aktien im Wert von 500 Millionen Euro.
Union Investment und SEB hatten bereits im Vorfeld angekündigt, Schrempp die Entlastung verweigern zu wollen. Auch die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) hat Widerstand angekündigt. "Wenn sich nichts Gravierendes verändert, werden wir Vorstand und Aufsichtsrat nicht entlasten", sagte ein DSW-Sprecher der "Financial Times Deutschland". "Die Strategie von Konzernchef Jürgen Schrempp greift nicht", sagte der Sprecher zur Begründung. Die Aktionärsschützer kreiden Schrempp außerdem an, dass er sich nach wie vor gegen die individualisierte Offenlegung der Vorstandsbezüge wehrt.
DWS: "Smart ist eine Bankrotterklärung"
Deutschlands größte Fondsgesellschaft DWS warf dem Daimler-Management krasse unternehmerische Fehlentscheidungen vor. Das vorgelegte Sanierungsprogramm für Smart sei eine "Bankrotterklärung", sagte Klaus Kaldemorgen, Manager bei der Deutschen-Bank-Tochter. Er habe den Eindruck, es gehöre inzwischen zur Unternehmenskultur von DaimlerChrysler, Ergebnisse "schön zu rechnen".
Die Qualitätsmängel bei Mercedes seien jahrelang verdrängt worden. "Eine Ikone ist Mercedes längst nicht mehr", wetterte Kaldemorgen. Er forderte den Aufsichtsrat auf, die "Zügel straffer anzuziehen" und teure Fehlschläge wie bei Mitsubishi, Mercedes und Smart zu verhindern.
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Schon im vergangenen Jahr hatte der Vorstand bei der Abstimmung über die Entlastung auf der Hauptversammlung einen Denkzettel von den Fondsgesellschaften erhalten, die zu den großen Aktionären der DaimlerChrysler AG zählen. Die Zustimmung für Schrempp und seine Kollegen sank um zehn Prozentpunkte, und lag nur noch bei über 88 Prozent. Früher war man in Möhring an sozialistische Zustimmungsraten von um die 99 Prozent gewohnt. Angst um seinen Chefsessel muss Schrempp indes nicht haben. Die drei wichtigsten Anteilseigner - die Deutsche Bank sowie die Emirate Kuweit und Dubai - stehen anscheinend weiter hinter ihm.
Es brennt beim Daimler
Der Gewinn der Mercedes Car Group war im vergangenen Jahr unter anderem wegen der Kosten für die Beseitigung von Qualitätsmängeln und der hohen Verluste bei Smart von 3,1 auf rund 1,7 Milliarden Euro gesunken. In der vergangenen Woche kündigte der neue Mercedes-Chef Eckard Cordes die bislang größte Rückrufaktion für 1,3 Millionen Fahrzeuge an. Besonders peinlich: Noch vor kurzem hatte Schrempp im "Handelsblatt" versichert "was derzeit aus den Fabriken kommt, ist die beste Qualität, die Mercedes je produziert hat". Heute sagte Schremp, er erwarte im laufenden Jahr einen leicht steigenden Mercedes-Absatz. Die Marke sei immer noch die erfolgreichste des Premium-Segments.
Erst am Freitag hatte der Konzern zudem ein Sanierungskonzept für die hochdefizitäre Kleinstwagentochter Smart bekannt gegeben, und veröffentlichte in diesem Zusammenhang eine verklausulierte Gewinnwarnung. Schrempp nannte die Ertragssituation bei Smart in Berlin "total unakzeptabel". Der Vorstand plant die Sanierung von Smart bis Ende 2007. Der Turnaround-Versuch wird nach Unternehmensangaben bis zu 1,2 Milliarden Euro kosten und unter anderem die Streichung von 700 Stellen beinhalten. Zudem soll Smart organisatorisch teilweise in Mercedes-Benz integriert werden.
Im vergangenen Jahr erregte insbesondere die noch offene Kapitalerhöhung bei der hoch verschuldeten japanischen Beteiligung Mitsubishi Motors die Gemüter der Aktionäre. DWS-Fondsmanager Klaus Kaldemorgen kritisierte stellvertretend für viele Kleinanleger und institutionelle Investoren, dass das Management viel zu spät auf Fehlentwicklungen reagiere.