Das A350-Problem Die 787-Antwort in der Warteschleife
Hamburg - Vor einem Jahr war für Noël Forgeard die Welt noch in Ordnung. Angesprochen auf den vom Erzrivalen Boeing geplanten Bau des Langstreckenflugzeugs 787 "Dreamliner" erwiderte der Airbus-Chef im Mai 2004: "Es bedarf keiner besonderen Antwort auf die Präsentation dieses Flugzeuges."
Forgeard irrte. Boeing kann für den "Dreamliner" bislang 266 Festbestellungen und Kaufoptionen vorweisen. Das als äußerst sparsam geltende Flugzeug für 200 bis 300 Passagiere entwickelt sich zum Verkaufsschlager bei den klammen Airlines, die mit hohen Kerosinpreisen kämpfen.
Die 787 könnte damit für einen Wachwechsel im Luftfahrtmarkt sorgen. Bei den Auslieferungen liegt Airbus seit 2003 vor dem US-Rivalen, bei den Bestellungen sogar seit 2001. Und lange sah es so aus, als ob Boeing kein Rezept hat, um die Marktmacht des europäischen Konkurrenten zu brechen.
Das hat sich geändert. Der "Dreamliner"-Erfolg verschafft Boeing neues Selbstvertrauen. "Wir werden Airbus in diesem Jahr schlagen", verkündete jüngst Vize-Vetriebschef Scott Carson. Tatsächlich macht sich nun auf Seiten von Airbus Konfusion breit. Nachdem Forgeard zunächst keinen Handlungsbedarf sah, präsentierte er im Herbst 2004 die A350 als Antwort auf die Boeing 787. Das Modell ist keine Neuentwicklung, sondern eine aufgepeppte Version der A330.
Den Kunden reicht das nicht. Gerade mal zehn Bestellungen hat Airbus für die Maschine vorzuweisen. Selbst wenn, wie das Wirtschaftsblatt "La Tribune" schrieb, nun hundert neue Orders hinzukämen, hat Boeing die Nase vorn. Auch können die Amerikaner den Zeitvorteil für sich verbuchen. Die 787 soll ab 2008 ausgeliefert werden, die A350 erst ab 2010.
Zuletzt verschob Airbus auch noch den offiziellen A350-Programmstart auf September. Eigentlich hatte die Branche die entsprechende Ankündigung schon bei der Luftfahrtschau in Le Bourget erwartet. Beobachter sehen darin einen weiteren Hinweis darauf, dass die Fluggesellschaften mit dem Design nicht einverstanden sind und Airbus noch nachbessern muss.
Am besten wäre es, wenn die Europäer den Kunden ihrerseits eine Neuentwicklung präsentieren könnten. Doch die Aussichten dafür sind düster. Der Konzern hat seine Kräfte auf das Prestigeprojekt A380 und den Bau des Militärtransporters A400M konzentriert. Für eine adäquate Antwort auf die 787 fehlen jetzt Zeit, Manpower und Geld.
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