Das Dollar-Problem: Teure Turbulenzen am Währungsmarkt - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Das Dollar-Problem Teure Turbulenzen am Währungsmarkt

Der schwache Dollar macht Airbus zu schaffen. Währungsbedingt muss der vorwiegend im Euro-Raum produzierende Flugzeugbauer Abschläge hinnehmen und will deswegen die Kosten drücken.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Hamburg - "Sollte der Dollar über einen längeren Zeitraum weiter schwach bleiben, müssen wir die Gewinnschwelle für den A380 nach oben korrigieren. Darauf müssen wir vorbereitet sein", hatte der Airbus-Mutterkonzern EADS Anfang März erklärt. Der damalige Konzernchef Philippe Camus sagte, möglicherweise müsse man statt 250 sogar 300 Großraumflieger verkaufen, um mit dem Projekt Profite zu machen. Das hieße, dass Airbus die Zahl der bereits verkauften A380 nahezu verdoppeln müsste. Bisher hat der Flugzeugbauer Bestellungen für 154 Exemplare.

Airbus steht vor einem Dilemma. International wird im Flugzeuggeschäft in Dollar abgerechnet. Da der Konzern im Euroraum produziert, muss er beim Verkauf währungsbedingt Abschläge hinnehmen. Angesichts der anhaltenden Schwäche der US-Währung sucht das Management nun nach Auswegen. Zwar hat die Gemeinschaftswährung jüngst wieder an Wert verloren. Die Devisenmärkte rechnen jedoch damit, dass der Euro zum Jahresende wieder zu alter Stärke zurückfindet.


EADS will möglicherweise auch das laufende Sparprogramm verschärfen. Bisher plant der Konzern, die Kosten bis 2006 um 1,5 Milliarden Euro zu senken. "Sollte der Euro bei 1,30 Dollar oder darüber notieren, müssen wir möglicherweise nachlegen", hieß es bei EADS.

Als dritte Alternative könnte Airbus Teile der Produktion in den Dollarraum verlagern. Derzeit sucht das Unternehmen einen Standort für ein neues Werk in den USA. Dort wollen die Europäer vor allem Tankflugzeuge für das Militär bauen. Das Werk könnte auch Komponenten für den Zivilflugzeugbau liefern. Konkrete Pläne dazu gibt es bei Airbus gleichwohl nicht.

Airbus-Konkurrent Boeing hingegen nutzt die Turbulenzen am Währungsmarkt, um dem Erzrivalen aus Old Europe weiter zuzusetzen. Dank des schwachen Dollars ködern die Amerikaner die Kunden vermehrt mit Preisnachlässen. Schon beklagte sich EADS-Finanzvorstand Hans Peter Ring über das "sehr aggressive" Rabattverhalten des US-Konzerns.

Weiter zum Führungsproblem - deutsch-französische Feindschaft

Zurück zum A380-Problem - wer zu spät kommt...

Verwandte Artikel