Das A380-Problem Wer zu spät kommt...
Hamburg - Sir Richard Branson, schwerreicher Chef der Fluglinie Virgin Atlantic, gilt als Exzentriker. Zu Recht: Die sechs A380, die seine Gesellschaft geordert hat, will er mit Spielcasinos und Schlafzimmern ausstatten. So, witzelte Branson noch Ende April, gebe es "mindestens zwei Arten, während eines Virgin-Flugs glücklich zu werden".
Zu Scherzen über den Superairbus ist der Gagreißer seit Anfang Juni kaum mehr aufgelegt. Weil Airbus die Auslieferung des größten Passagierflugzeugs der Welt um sechs Monate verschob, äußerte sich Virgin enttäuscht. Nicht nur die Branson-Linie ist von der Verspätung betroffen. Qantas, Singapore Airlines, Air France-KLM und Emirates müssen sich ebenfalls in Geduld üben. Statt im Herbst 2006 bekommen die Kunden den A380 jetzt erst im Frühjahr 2007 in die Hangars.
Die Verspätung war vorhersehbar. Nach der aufwändigen Taufe Mitte Januar sollte der A380 Anfang April zum Jungfernflug starten. Tatsächlich hob die Maschine erst Ende des Monats ab.
Dennoch war die Empörung groß. Qantas-Chef Geoff Dixon forderte finanzielle Kompensation, die ihm Airbus auch schnell zusprach. Analystenkreisen rechnen damit, dass die Strafzahlungen unter 50 Millionen Euro liegen - wenn es nicht noch weitere Verzögerungen gibt.
Bei Gesamtkosten von 12 Milliarden Euro erscheint die Gebühr überschaubar. Schwer zu beziffern ist hingegen der Imageschaden. Kaum hilfreich war da die Begründung, die Airbus für die Verschiebung anführte. Bei einem Programm dieser Größe komme es nun mal zu Verspätungen, erklärte der Flugzeugbauer ohne ins Detail zu gehen. Das PR-Desaster war komplett, als sich die Werke in Deutschland und Frankreich gegenseitig für die Probleme verantwortlich machten.
Airbus A380: Der erste Ausflug des Superairbus
Bei potenziellen Abnehmern dürften derlei Vorgänge für Verunsicherung sorgen. Dabei muss Airbus noch zahlreiche A380 verkaufen. Erst ab 250 verkauften Exemplaren macht der Luftfahrtkonzern nach jetziger Rechnung mit seinem Prestigeprojekt Gewinn. Wie das Unternehmen auf seiner Homepage verkündet haben bislang aber erst 15 Fluggesellschaften insgesamt 154 Maschinen bestellt. Wenn die Verkäufe nicht zulegen, drohen hohe Verluste.
Zudem steht dem A380 eine weitere wichtige Bewährungsprobe erst noch bevor. Nach dem Erstflug fiebert Branche dem Evakuierungstest entgegen. In 90 Sekunden müssen 873 Passagiere und Crewmitglieder über Notrutschen aussteigen. Sollten sich hier Probleme ergeben, drohen neue Verzögerungen. Sir Richard Branson müsste dann wohl noch länger auf seinen Lustflieger warten.