»Dauerhaft verankern« - DER SPIEGEL
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SCHIFFFAHRT »Dauerhaft verankern«

Klaus-Michael Kühne, 71, Mehrheitseigner des Logistikriesen Kühne+Nagel, über den Kauf der Traditionsreederei Hapag-Lloyd und tatenlose Berliner Politiker
• aus DER SPIEGEL 43/2008
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

SPIEGEL: Ein Konsortium unter Ihrer Führung übernimmt für 4,5 Milliarden Euro die Reederei Hapag-Lloyd von TUI - zu einem Zeitpunkt, da das Geschäft mit der Containerschifffahrt einzubrechen droht. Haben Sie keine Angst, sich zu verheben?

Kühne: Das wirtschaftliche Umfeld ist in der Tat alles andere als erfreulich. Aber wir steckten schon so tief im Erwerbsprozess, dass wir ihn nicht abbrechen wollten. Letztlich ist das Geschäft gut zu stemmen, auch wenn die Finanzierung nicht einfach war. Außerdem war die Schifffahrt schon immer ein zyklisches Geschäft, in dem es auch schnell wieder bergauf geht. Vor allem: Ich glaube an Hapag-Lloyd, denn das Unternehmen ist sehr gut aufgestellt.

SPIEGEL: Die Reederei NOL, der einzige Mitbieter, bot wohl nur 3,5 Milliarden und zog sich am Ende zurück, angeblich, weil die Aussichten so schlecht seien.

Kühne: Ach, das war doch nur ein Alibi. Wenn die gewollt hätten, wäre die Übernahme kein Problem gewesen, NOL ist sehr kapitalkräftig. Aber der Erwerb von Hapag-Lloyd hätte zu einigem Aufruhr und politischen Verwicklungen geführt, zumal die Reederei Teil eines Staatsfonds ist.

SPIEGEL: Sie hatten selbst auf mehr staatliches Engagement gehofft. Warum ist es Ihnen nicht gelungen, die Bundesregierung ins Boot zu holen?

Kühne: Was da gelaufen ist, war sehr enttäuschend, teilweise sogar kontraproduktiv. Etwa, wenn sich der Wirtschaftsminister gleich zweimal hinstellt und sagt: Uns ist es egal, an wen Hapag-Lloyd verkauft wird. Was wäre los gewesen, wenn es um die Bahn oder die Lufthansa gegangen wäre? Warum sich in der Regierung niemand für die Schifffahrt interessiert, ist mir ein Rätsel.

SPIEGEL: Auch aus dem Finanzministerium gab es keine Unterstützung?

Kühne: Es gab Kontakte. Am Ende spielte auch die Finanzkrise eine Rolle: Wir waren sicher, günstige Kredite von der KfW zu bekommen - dann passierte aber die Sache mit der Überweisung an Lehman Brothers.

SPIEGEL: Sie tragen als Initiator der »Hamburger Lösung« mit über einer halben Milliarde Euro einen großen Teil der Kaufsumme selbst - mehr, als Sie ursprünglich wollten?

Kühne: Es ist mehr als geplant. Aber ich hatte mich immer darauf eingerichtet, neben der Stadt Hamburg das größte Engagement zu haben. Mit einem ertragsstarken Unternehmen im Rücken kann ich den auf mich entfallenden hohen Kaufpreisanteil verkraften.

SPIEGEL: Am Ende der Bieterschlacht ging Ihr Konsortium den Singapurer Kontrahenten scharf an, angeblich war ein Kahlschlag geplant, wenn NOL zum Zuge gekommen wäre. Müssen Sie nicht selbst unpopuläre Entscheidungen treffen, wenn sich die Containerschifffahrt tatsächlich anhaltend schlecht entwickelt?

Kühne: Hapag-Lloyd gilt als straff geführt, ich glaube nicht, dass es da viel Rationalisierungspotential gibt. Personalabbau stand bei unserer Entscheidung nie zur Diskussion. Allerdings müssen jetzt alle Reeder ihre Flotten optimieren, auf geringeres Ladevolumen ausrichten. Auch der bestehende Schiffspark und die Neubestellungen müssen sehr sorgfältig analysiert werden.

SPIEGEL: Wenn es, wie von Ihnen erwartet, mit der Schifffahrt zügig wieder bergauf geht, könnte ein Weiterverkauf von Hapag-Lloyd schon sehr bald lohnenswert sein.

Kühne: Ganz klar: Ich will mich nicht kurzfristig wieder von Hapag-Lloyd trennen, sondern das Unternehmen dauerhaft in Hamburg und Deutschland verankern. Hapag-Lloyd braucht jetzt Kontinuität und darf nicht wieder zum Spielball von Spekulationen werden. Ich denke allerdings sicher langfristiger als der eine oder andere in unserer Gruppe, der sein Engagement eher als Kapitalanlage sieht. Trotzdem haben sich alle im Gesellschafterkreis bereit erklärt, mindestens vier Jahre dabeizubleiben.

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