Dax Miese US-Arbeitsmarktdaten belasten Börsen
Frankfurt am Main - Ernüchterung an der Frankfurter Börse: "Das ist schon ziemlich massiv", lautet der erste Kommentar von Thomas Amend, Analyst bei HSBC Trinkaus, zu den veröffentlichten US-Arbeitsmarktdaten: Die Arbeitslosenquote stieg im August auf 6,1 Prozent nach 5,7 Prozent im Vormonat. Die Zahl der Beschäftigten außerhalb der Landwirtschaft sank weit stärker als von Experten erwartet. "Das stimmt nicht gerade euphorisch für die US-Konjunktur", resümiert Amend. Der Dax verlor nach Bekanntgabe der Zahlen zwischenzeitlich um über zwei Prozent.
Auch für Europas Wirtschaft sehen die meisten Experten schwarz. "Da die EZB gestern keine Zinssenkungssignale gegeben hat, wird sich daran so schnell nichts ändern", sagte ein Analyst. Auch Marktstratege Christian Schmidt von der Helaba verwies auf die sich weiter eintrübenden Wachstumsaussichten. Wegen des weiterhin schwachen Eurokurses wendeten sich derzeit zudem viele ausländische Investoren vom deutschen Aktienmarkt ab.
Die miesen Konjunkturaussichten waren nicht das einzige Thema, das den Anlegern die Laune verdarb: Nach düsteren Zukunftsprognosen von Nokia verloren die Aktien des Handyherstellers drastisch an Wert, ebenso wie die Papiere von Infineon . Der Chiphersteller, der die Top fünf der Handybauer weltweit beliefert, fiel ans Dax-Ende - mit einem Verlust von zwischenzeitlich über 4,5 Prozent. Nokia hatte seine Prognose für den Marktanteil für das dritte Quartal zurückgenommen.
Die Sorgen um eine Abschwächung der Konjunktur belasteten ferner vor allem Titel exportorientierter Unternehmen. So fielen Papiere von Daimler zwischenzeitlich um fast vier Prozent, und die Aktien von MAN verbilligten sich um über 3,7 Prozent. ThyssenKrupp-Aktien gaben über 4 Prozent auf nach. Händler verwiesen auch auf die schwache Vorgabe für Stahlwerte aus den USA. Die Papiere von United States Steel waren am Vorabend um 5,12 Prozent auf 112,67 Dollar auf ein Sechs-Monats-Tief gerutscht. Auch an den asiatischen Märkten hätten die Stahltitel unter Druck gestanden, wobei Nippon Steel ebenfalls mehr als fünf Prozent verloren.
Einziger Gewinner im Dax waren die Titel der Deutschen Postbank , die über 1,4 Prozent zulegten. Händler verwiesen auf Gerüchte, die am Markt kursieren sollen, wonach die Deutsche Bank ein Angebot von 50 Euro je Postbank-Aktie plane. Nach der Übernahme der Dresdner Bank durch Commerzbank sei die Deutsche Bank unter Zugzwang, die Commerzbank komme als Käufer der Postbank unterdessen zunächst nicht mehr in Frage. Ein Sprecher der Deutschen Bank sagte auf Anfrage: "Kein Kommentar". In Finanzkreisen wurde ein solches Gebot zum aktuellen Zeitpunkt als "unwahrscheinlich" eingestuft. Deutsche Bank-Titel gaben um über 1,44 Prozent nach.
Solartitel verlieren bis zu acht Prozent an Wert
Im MDax ging es für die Papiere von Salzgitter um über 3,8 Prozent nach unten. Belastet von Gewinnmitnahmen fielen zudem die Aktien von ProSiebenSat.1 um rund 3,5 Prozent. Händler verwiesen auf Gewinnmitnahmen, nachdem sich die Papiere des Medienkonzerns seit Anfang Juli in der Spitze um 70 Prozent erholt haben. Nach dem Bruch der Unterstützung bei rund 6,30 Euro habe sich auch die Charttechnik eingetrübt.
Im TecDax gaben Solartitel deutlich nach. Einem Händler zufolge leidet die Branche unter der Sorge, dass der sinkende Ölpreis den Anreiz verringern könnte, auf alternative Energien umzusteigen. So fielen die Aktien von Q-Cells um über acht Prozent, für die Papiere von Phoenix Solar ging es um über 4,7 Prozent nach unten.
Mit einer Erholung rechnen Beobachter nicht - im Gegenteil: Einige Experten können sich sogar vorstellen, dass der Dax auf ein neues Jahrestief fällt. "Wir sind ja nur noch wenige Punkte vom bisherigen Tief entfernt, und bei dem derzeitigen Börsenumfeld ist das durchaus vorstellbar", sagt Marc-Gregor Czaja von der Landesbank Baden-Württemberg. Das bisherige Jahrestief von 6081 Punkten erreichte der Dax im Juli.
ase/dpa-AFX/Reuters