Der Markt-Forscher: Schenkt mehr Euro! - DER SPIEGEL
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Der Markt-Forscher Schenkt mehr Euro!

Das perfekte Weihnachtsgeschenk ist dieses Jahr der Euro, besonders wenn man ihn fachgerecht verpackt. Das haben Wissenschaftler herausgefunden.
Von Felix Asch
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Was war das eigentlich genau, dieser Ansturm auf die "Euro-Starter-Kits“ (was ins Deutsche übersetzt ja den netten Ausdruck "Euro-Vorspeise-Ausrüstung“ ergibt)? War es Neugier? Herdentrieb? Hysterie? Die fälschliche Annahme, es gäbe etwas umsonst? Nein, der Andrang ist viel einfacher zu erklären. Es war die hohe Schule der Weihnachtsbesorgung. Denn zehnkommadreiundzwanzig funkelnagelneue Euros sind schlicht das perfekte Weihnachtsgeschenk. Das ist wissenschaftlich erwiesen.

Einige Ökonomen – offenbar selbst von Zinsen, Defiziten und Monopolen gelangweilt – haben sich schon vor Jahren der Ökonomie des Schenkens zugewandt und Erstaunliches an Tageslicht gebracht. Beim Schenken von Dingen kommt es zu einer volkswirtschaftlichen Verschwendung von über zehn Prozent des Wertes der Geschenke. Dies zeigte eine Untersuchung, in der Beschenkte gefragt wurden, wie viel Geld sie selbst für die erhaltenen Geschenke ausgeben würden, ohne den emotionalen Wert zu berücksichtigen. Der Wert lag bei gerade einmal 87 Prozent dessen, was die Geschenke gekostet hatten. 13 Prozent der Ausgaben für die weihnachtlichen Gaben waren verpufft und nutzlos verschwunden.

Dies liegt daran, dass man zwar für die lange vermisste Schallplatte, die der beste Freund in einem Second-Hand-Laden aufgetrieben hat, weit mehr ausgeben würde, als es den Schenkenden gekostet hat. Für die teuer erstandenen, filigranen Glasenten von Tante Rosa und den witzigen Nasenhaarschneider von Schwager Ralf aber höchstens das, was man auf dem Flohmarkt dafür bekommt. Das kann mit Geld nicht passieren, da behält das Geschenk genau seinen Wert.

Doch leider hat Geld als Geschenk ein Imageproblem. Darauf kamen einige Jahre nach den ersten Untersuchungen auch die Geschenk-Ökonomen und mussten dieses Phänomen natürlich analysieren. Heraus kam, dass Geldgeschenke drei zentrale Defizite haben. Erstens ist Geld nicht klar als Geschenk zu identifizieren, es könnte immer auch Bezahlung sein. Zweitens gelten Geldgeschenke als Ausdruck eines Mangels an Motivation und Anstrengung des Schenkenden. Drittens ist Geld leicht weiterzugeben und deshalb ohne Erinnerungswirkung an den Schenkenden.

Hier kann der Euro endlich zeigen, was wirklich in ihm steckt, niedriger Wechselkurs hin, Spielgeldoptik her. Geschenkte Euro sind klar als Geschenk zu identifizieren, denn noch nie ist irgendetwas legal mit Euromünzen bezahlt worden. Fehlende Motivation bei Geschenkbesorgung? Nicht beim Euro. Da muss man anstehen, rangeln, schubsen und vielleicht sogar Schalterangestellte becircen, die Nicht-Kunden nur ein einziges Beutelchen geben wollen. Und zumindest für sieben Tage ist der unter den Christbaum gelegte Euro auch nicht richtig weiterzugeben und kann in dieser Zeit seine Erinnerungswirkung entfalten. Der Euro ist also ein verschwendungsloses, effizientes und vom Imageproblem befreites Traumgeschenk.

Aber sogar das lässt sich noch steigern. Eine Untersuchung holländischer Geschenk-Gelehrter hat erwiesen, dass Geld als Geschenk um 30 bis 50 Prozent besser ankommt, wenn es ... genau! ... wenn es nett eingepackt wird. Die Plastikpäckchen mit dem Bundesadler rund um die Start-Münzen sind ein Anfang. Doch ein an Effizienz und Symbolkraft unübertroffenes Geschenk ist diese Weihnachten ein Starter-Kit, kunstvoll eingewickelt in einen der letzten Hundert-Mark-Scheine. Frohe Weihnachten.