Deutsche Bank: Ackermanns erstes Opfer - DER SPIEGEL
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Deutsche Bank Ackermanns erstes Opfer

Sein Abgang gilt als Niederlage für alle, die die Deutsche Bank in Frankfurt halten wollen: Thomas Fischer, der geschäftsführende Vorstand der Großbank, tritt wie erwartet ab. Gewerkschafter machen derweil gegen Josef Ackermanns Pläne mobil, sich selbst zum Super-Chef zu ernennen.
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Frankfurt am Main - Ackermann hat sich im bankinternen Machtkampf um eine neue Führungsstruktur in der Bank durchgesetzt, dafür ist Fischers Abgang das Signal. Nach ihrer Aufsichtsratssitzung teilte die Bank mit, der frühere "Chief Operating Officer" Fischer trete mit sofortiger Wirkung ab. "Die im gegenseitigen Einvernehmen erfolgende Trennung steht im Zusammenhang mit unterschiedlichen Auffassungen zur neuen Führungsstruktur der Bank", hieß es offiziell. Wie die Struktur im Detail aussehen soll, teilte die Deutsche Bank noch nicht mit.

Der 54-jährige Fischer verlässt die Deutsche Bank damit schon zum zweiten Mal. 1995 war er zur Landesgirokasse Stuttgart gewechselt, wo er zuletzt als Vorstandschef tätig war. Seit 1999 war er dann Vorstandsmitglied der Deutschen Bank.

Sorge um die Mitbestimmung

Die Bank nannte noch einige weitere Details zur neuen Führungsstruktur: Jürgen Fitschen und Michael Philipp seien auf eigenen Wunsch von ihren Pflichten als Mitglieder des Konzernvorstands entbunden worden. Sie übernähmen direkte Geschäftsverantwortung für die Bereiche Corporate and Investmentbank (Investmentbanking/Firmenkunden) sowie Private Clients and Asset Management (Vermögensverwaltung/Privatkunden). Gewerkschafter wie Ursula Engelen-Kefer, die stellvertretende Vorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB), zweifelt daran, dass Ackermanns Ideen vollkommen mit deutschen Gesetzen konform gehen, Wenn der künftige Bank-Chef Josef Ackermann ein neues Exekutiv-Komitee einrichte, glaubt die Funktionärin, könnte das die Mitbestimmung aushebeln. Im Interview mit der "Berliner Zeitung" warnte sie die Banker vor "juristischen Geschäftsordnungstricks" und vor der "Errichtung neuer Entscheidungsgremien, die keiner Kontrolle unterliegen". Auch die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi droht dem designierten Vorstandschef. Die aktienrechtlich abgesicherte Stellung des Vorstands dürfte nicht verringert werden, sagte der für Banken zuständige Verdi-Vorstand Hinrich Feddersen.

Neben dem Vorstand soll es in der Deutschen Bank diversen Medienberichten zufolge künftig ein siebenköpfiges Exekutiv-Komitee geben. Beiden Gremien stehe Ackermann vor - als Vorstandssprecher dem Vorstand, als "Chairman" dem Exekutiv-Komitee. Alle sieben Mitglieder des Komitees, so die Berichte, sollen Ackermann direkt berichten. Der Vorstand habe dann nur noch Stabsfunktionen und erleide damit einen deutlichen Machtverlust. Das Bundesaufsichtsamt für Kreditwesen hatte bereits mitgeteilt, es prüfe, ob diese Neuregelung mit deutschen Gesetzen konform geht.

Verlust nicht ausgeschlossen

Nicht nur die Struktur der Bank, auch die Profitabilität des Geschäftes dürfte Ackermann Sorgen bereiten. Analysten jedenfalls gehen davon aus, dass die Bank am Donnerstag ein Ergebnis für das vierte Quartal vorlegen wird, das deutlich unter dem des Vorquartals liegt. Die Spanne der Erwartungen liegt zwischen einem Ergebnis vor Minderheitsbeteiligungen von minus fünf Millionen Euro und plus 286 Millionen Euro. Im dritten Quartal hatte die Deutsche Bank noch einen Gewinn von 303 Millionen Euro vorgelegt.

Für das Gesamtjahr erwarten die Experten nur noch einen Nettogewinn von rund drei Milliarden Euro, nach 4,95 Milliarden im Jahr 2000. Das vierte Quartal habe sich als besonders schwierig für die deutsche Großbank erwiesen, so die Branchenexperten. Die Handelsumsätze seien wegen der schlechten Wirtschaftslage deutlich zurückgegangen, während die Risikoprovisionen geklettert seien.

Verwirrung programmiert

Zudem rechnen die Analysten mit Schwierigkeiten bei der Interpretation der erstmals nach US-GAAP bilanzierten Geschäftszahlen. Viele Marktteilnehmer hätten ihre Prognosen auf Grundlage der bisherigen Rechnungslegungsnorm der Deutschen Bank berechnet, dem International Accounting Standard (IAS). Die Umstellung auf US-GAAP werde daher zu Verwirrung führen, sagte Stuart Graham von JP Morgan.

Die Gewinne werden aus Sicht der Experten relativ gering ausfallen. Umstrukturierungskosten in Höhe von 290 Millionen Euro aus den geplanten Stellenstreichungen sollten das Ergebnis deutlich nach unten drücken. Zudem erwarten die befragten Analysten außerordentliche Abschreibungen von bis zu 200 Millionen Euro aus den Kursverlusten des Pleite gegangenen US-Unternehmen Enron.

Ackermanns neues Personal

Laut "Wall Street Journal" soll der Vorstand in dem neuen Modell mit Rolf Breuer als Vorstandssprecher bis Mai und Josef Ackermann in der selben Funktion ab Mai besetzt sein. Neben Hermann-Josef Lamberti als neuem Chief Operating Officer sei Clemens Börsig als Chief Financial Officer vorgesehen. Dem Exekutiv-Komitee sollten neben Ackermann noch Anshu Jain für das so genannte Global-Markets-Geschäft sowie Kevin Parker für Global Equities (weltweites Wertpapiergeschäft), Michael Cohrs für Firmenfinanzierung, Jürgen Fitschen für banktechnische Abwicklungen, Michael Philipp für Asset Management und Herbert Walter für das Kleinkunden-Geschäft angehören.