Deutsche Bank: Breuers Signale verwirren die Experten - DER SPIEGEL
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Deutsche Bank Breuers Signale verwirren die Experten

Das BGH-Urteil zu Mannesmann war noch nicht verkündet, da fabulierte der Chefaufseher der Deutschen Bank, Rolf Breuer, schon über mögliche Nachfolger für Vorstandschef Ackermann. Analysten rätseln, ob es ein Dolchstoß war oder Kalkül für den Fall der Fälle.
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Hamburg - Bei der Deutschen Bank bemüht man sich um Schadensbegrenzung: Vorstandschef Josef Ackermann genieße "uneingeschränktes Vertrauen", heißt es in einer Mitteilung des Aufsichtsrats. Man danke dem Chef ausdrücklich für die "verantwortungsbewusste Haltung", mit der er sich auch dem künftigen Verfahren stellen werde.

Auch Ackerman selbst erklärte schon bald nach der Urteilsverkündung des Bundesgerichtshofs (BGH), er wolle auf jeden Fall Chef bleiben. Aus der PR-Abteilung der Bank heißt es, Berichte über einen möglichen Rücktritt seien pure Spekulation.

Doch der Eindruck, in dem Geldinstitut bereite man schon fleißig die Zeit nach Ackermann vor, bleibt. Immerhin hatte sich der Aufsichtsratschef Rolf Breuer in der "Financial Times" erstmals ausführlich über mögliche Nachfolger des Deutsche-Bank-Chefs ausgelassen. "Ich habe meine Denkkappe auf", sagte Breuer dem Blatt. "Ich favorisiere sehr stark einen internen Kandidaten. Nur wenn das nicht möglich ist, würden wir außerhalb der Bank suchen."

Mit Verweis auf Bankkreise führte die Zeitung dann auch noch zahlreiche Aspiranten für den Job auf. Interner Favorit sei der 41-jährige Privatkundenchef Rainer Neske, der Insidern zufolge seinen Geschäftsbereich erfolgreich umstrukturiert habe. Auch Michael Cohrs werde hoch gehandelt, der das Investmentbanking leitet.

Finanzchef Clemens Börsig komme ebenfalls in Frage, wenn auch nur als Übergangskandidat, da er kein gelernter Banker ist. Außenseiterchancen würden außerdem Hugo Bänziger, dem Chef der Risikokontrolle eingeräumt, auch wenn der nächstes Jahr überhaupt erst in den Vorstand aufrücken soll.

Breuer brachte schon das Kirch-Imperium zum Einsturz

Breuer wollte die Spekulationen nicht kommentieren - erklärte dann aber doch, dass der in den Medien gehandelte Siemens-Finanzvorstand Heinz-Joachim Neubürger keine Chancen habe. Zwar versicherte der Aufsichtsratschef auch noch, dass der Aufsichtsrat von der Redlichkeit und den Qualitäten Ackermanns überzeugt sei. Im Falle eines für ihn negativen Urteils stehe das Gremium auf jeden Fall hinter dem Bankchef. Doch das änderte wenig an der Signalwirkung des Interviews, dass die Deutsche Bank nach Nachfolgern sucht.

Ein Versehen oder Kalkül? Immerhin hat Breuer schon 2002 mit einer kleinen Bemerkung das Medien-Imperium von Leo Kirch zum Einsturz gebracht. Damals hatte er öffentlich Kirchs Kreditwürdigkeit angezweifelt. Die Frage, ob Breuer mit seiner flapsigen Bemerkung damals gegen das Bankgeheimnis verstieß, will der Bundesgerichtshof in Karlsruhe am 24. Januar entscheiden.

Dass Breuer seine heute gedruckten Bemerkungen völlig gedankenlos in den Raum warf, glaubt der Finanzprofessor Wolfgang Gerke nicht: "Er will der Öffentlichkeit signalisieren, die Deutsche Bank stehe nicht führungslos dar, falls Herr Ackermann zurücktritt oder zu einem solchen Schritt gezwungen wird", sagte er "manager-magazin.de". Seiner Ansicht nach wollte Breuer aber auch deutlich machen, "dass der Vertrag von Herrn Ackermann als Chef der Deutschen Bank nicht selbstverständlich verlängert werden wird".

"Breuer hat eher abwiegeln wollen"

Er habe sich über die Äußerungen Breuers auch gewundert, sagt Konrad Becker von der Privatbank Merck Finck & Co. "In so einer Situation hält man besser den Mund", so der Analyst. Dass Breuer Ackermann bewusst beschädigen wollte, glaubt der Analyst jedoch nicht. "Das wäre sehr kaltherzig, wenn Herr Breuer dem Vorstandsvorsitzenden an so einem Tag auch noch den Dolch in den Rücken stoßen würde."

Das Wahrscheinlichste sei, dass es sich um ein Missverständnis handelt. Seinen Informationen zufolge sei Breuer in dem Interview zu ganz anderen Dingen befragt worden und habe lediglich am Schluss auf die Frage "Was wäre wenn?" geantwortet. "Er hat das eigentlich eher abwiegeln wollen."

Auch ein anderer Bankanalyst, der nicht genannt werden möchte, glaubt nicht an einen bewussten Vorstoß des Aufsichtsratschefs. Das sei gar nicht nötig. "Wenn Herr Breuer Herrn Ackermann bittet, zurückzutreten, glaube ich nicht, dass der Nein sagt."

Breuer habe mit seinen Aussagen lediglich zeigen wollen, dass ein Notfallplan in der Schublade liegt, sollte sich Ackermann doch zum Rücktritt entschließen. "Es ist die Pflicht Breuers, sich damit zu befassen." Dieses Szenario freilich hält Becker für unwahrscheinlich. "Die Deutsche Bank hat schon Situationen wie die Ermordung Alfred Herrhausens überstanden", sagt er. Dass ein so großer Konzern einen Notfallplan in der Schublade liegen habe, sei jedem klar.

Rücktritt könnte elegant verpackt werden

Die Juristen der Bank würden sich nun wohl mit der Frage auseinandersetzen, ob Ackermann bei dem neuen Verfahren einen Schuldspruch wegen Untreue zu erwarten habe, glaubt Becker. Sollte das zu befürchten sein, würde Ackermann wohl früher oder später seinen Sessel räumen. "Dass ein amtierender Vorstandsvorsitzender wegen Untreue verurteilt wird, das wird die Deutsche Bank nicht zulassen."

Allerdings könnte man einen Rücktritt im nächsten Sommer elegant verpacken, glaubt der zweite befragte Analyst. Nächstes Jahr läuft Ackermanns Vertrag aus. "Man kann einfach sagen, der Vertrag ist ausgelaufen und Ackermann hat nicht verlängert."

Während Becker allerdings glaubt, dass Ackermann nur im Falle eines wahrscheinlichen Schuldspruchs geht, ist sich der zweite Analyst sicher: Ackermann wird spätestens, wenn die Neuauflage des Mannesmann-Prozesses beginnt, nicht mehr Vorstandsvorsitzender sein. "Dafür ist dann dieses Jahr doch ein bisschen zu viel schief gelaufen."

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