Einzelhandel steigert Umsatz – aber nur wegen Preiserhöhungen - DER SPIEGEL
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Realer Rückgang Einzelhandel steigert Umsatz – aber nur wegen Preiserhöhungen

Krieg und Inflation haben die Kauflaune der Verbraucher 2023 so stark eingetrübt wie seit 2009 nicht mehr. Selbst das Weihnachtsgeschäft konnte daran nichts ändern.
Fußgängerzone in München: Der Trend zeigt deutlich nach unten
Fußgängerzone in München: Der Trend zeigt deutlich nach unten

Fußgängerzone in München: Der Trend zeigt deutlich nach unten

Foto: Sven Hoppe / dpa

Die deutschen Einzelhändler haben ihren Umsatz im vergangenen Jahr nur dank steigender Preise erhöht. Er sei voraussichtlich um 2,4 Prozent im Vergleich zu 2022 gewachsen, teilte das Statistische Bundesamt zu seiner ersten Schätzung mit. Preisbereinigt (real) fiel der Umsatz allerdings um 3,1 Prozent niedriger aus – ein größeres Minus gab es hier zuletzt 2009 im Gefolge der weltweiten Finanzkrise. Besonders starke Einbußen verzeichneten diesmal Lebensmittelfachgeschäfte wie Bäckereien und Metzgereien sowie Läden für Einrichtungsgegenstände, Haushaltsgeräte und Baubedarf.

»Eine Konsumwende ist weiterhin außer Sicht.«

Alexander Krüger, Chefvolkswirt der Hauck Aufhäuser Lampe Privatbank

»Die Konsumstimmung leidet bis heute unter den Auswirkungen des russischen Krieges in der Ukraine und der hohen Inflation«, sagte der Sprecher des Handelsverbandes Deutschland (HDE), Stefan Hertel. »2024 hofft die Branche natürlich auf bessere Umsätze.« Angesichts des erwarteten Rückgangs der Inflation scheine »vorsichtiger Optimismus« angebracht.

Zuletzt zeigte der Trend ausgerechnet im beginnenden und traditionell umsatzstarken Weihnachtsgeschäft überraschend deutlich nach unten: Im November mit Sonderaktionen wie »Black Friday« und »Cyber Monday« schrumpfte der reale Umsatz um 2,5 Prozent im Vergleich zum Vormonat. Von der Nachrichtenagentur Reuters befragte Ökonomen hatten nur mit einem Mini-Minus von 0,1 Prozent gerechnet. »Eine Konsumwende ist weiterhin außer Sicht«, kommentierte der Chefvolkswirt der Hauck Aufhäuser Lampe Privatbank, Alexander Krüger.

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Die nachlassende Teuerung könnte im Laufe des Jahres nach und nach für neue Impulse für den privaten Konsum sorgen. »Die Inflationsdynamik in Deutschland ist gebrochen, und die Zeit wirklich hoher Inflationsraten ist vorbei«, sagte der wissenschaftliche Direktor des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK), Sebastian Dullien. Er rechnet damit, dass sich die Teuerungsrate 2024 mehr als halbiert – auf 2,5 Prozent von 5,9 Prozent 2023.

Dadurch könnten die Reallöhne wieder deutlicher wachsen und damit die Kaufkraft der Verbraucher stärken. Im dritten Quartal legten die Reallöhne in Deutschland mit 0,6 Prozent so kräftig wie seit über zwei Jahren nicht mehr zu und damit bereits das zweite Vierteljahr in Folge. Ein Konsumboom, der die deutsche Wirtschaft aus der Flaute zieht, ist aber nicht in Sicht.

mik/Reuters