Euro im Keller Schröder rudert zurück
Frankfurt am Main - Der Euro sinkt immer weiter. Am Donnerstagmorgen fiel der Euro zwischenzeitlich auf ein Rekordtief von 0,8637 US-Dollar, auch danach blieb er unter der 87-Cent-Marke. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs am Mittwoch auf 0,8818 Dollar festgesetzt.
Am Mittwoch hatten Analysten von einem regelrechten Erdrutsch gesprochen und den Fall der Währung auf 0,85 Dollar nicht ausgeschlossen. Bundeskanzler Gerhard Schröder, dessen Freude über die Euroschwäche für den Kursverfall teilweise verantwortlich gemacht worden war, ruderte angesichts der öffentlichen Kritik zurück: Die Kursentwicklung sei "nicht schön", sagte er beim Uno-Millenniums-Gipfel in New York. Am Montag hatte er noch gesagt, ein schwacher Euro sei gut für die Wirtschaft und daher ein Grund zur Freude.
Devisenhändler erwarten, dass Kommentare von europäischen Politikern den Eurokurs auch wieder anheben können. Der Euro werde sich deshalb wieder erholen, sagte Devisenhändler Hiroshi Sakuma von der Barclays Bank zuversichtlich. Ein erstes Signal kam vom Bundesfinanzministerium. "Deutschland hat ein eminentes Interesse an einem starken Euro", sagte Ministeriumssprecher Torsten Albig. Alle anderen Interpretationen seien "abwegig".
Der Euro bleibt jedoch in einem Teufelskreis: Die schwache Währung zwingt die Europäische Zentralbank (EZB) zu weiteren Zinserhöhungen, um die Gefahr der importierten Inflation in Grenzen zu halten. Höhere Zinsen wiederum trüben die Konjunkturperspektiven. Damit könnte die Wachstumsdifferenz zu den USA sogar wieder zunehmen und weiter Kapital nach Nordamerika locken.
Auch die neuesten, überwiegend positiven Konjunkturdaten aus der größten Volkswirtschaft des Euroraums konnten die Investoren nicht beeindrucken: Die Zahl der Arbeitslosen in Deutschland lag im August um 243.100 unter dem Vorjahresniveau; und die Bestellungen bei der deutschen Industrie zogen von Juni auf Juli nochmals um 0,7 Prozent an.
Doch die jüngste Auftragsstatistik ist nicht nur positiv: Die deutsche Konjunktur lebt weiterhin überwiegend vom Exportgeschäft. Der Ordereingang im Inland gab im Berichtszeitraum um 0,8 Prozent nach. Dies stärkt die Position der Skeptiker, dass der Übergang zu einem binnengetriebenen Aufschwung nicht vorankommt. Dabei werden die stark steigenden Energiepreise als zusätzlicher Bremsfaktor gewertet.
Der Schlüssel für eine Erholung des Euro liegt damit unverändert in den USA. Erst wenn das immer noch robuste Wachstum in Nordamerika abflaut, bestehen gute Chancen für eine Trendumkehr. Doch von den langfristigen Trends lassen sich die hektischen Akteure der Finanzmärkte nicht beeindrucken, ist die EZB-Expertin Petra Köhler von der Dresdner Bank überzeugt. Commerzbank-Volkswirt Jürgen Pfister fürchtet gar, dass der Devisenhandel weiter nach unten übertreibt.