Frankreich: UMTS-Vergabe wird zur Staatsaffäre - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Frankreich UMTS-Vergabe wird zur Staatsaffäre

Als letztes großes Land in Europa hat Frankreich erste UMTS-Lizenzen vergeben. Wegen der hohen Kosten gab es zu wenig Bewerber.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Paris - Die zwei ersten Lizenzen für den neuen Mobilfunkstandard gehen an France Télécom/Orange und SFR, eine Tochter des Medienunternehmens Vivendi-Universal. Das gab die staatliche Telekom-Aufsichtsbehörde ART in Paris bekannt. Die beiden größten Mobilfunkunternehmen des Landes waren die einzigen Bewerber für die insgesamt vier Lizenzen.

Nun wird eine zweite Vergaberunde nötig sein, um Bieter für die verblieben Zugangsberechtigungen zu finden. Dieses neue Verfahren soll spätestens im ersten Halbjahr 2002 beginnen, sagte ART-Präsident Jean-Michel Hubert.

Deutsche Telekom weiter interessiert

Die Ausschreibung für die dritte Handy-Generation war zu einem Debakel für den Staat geworden, der die Lizenzen nicht versteigert, sondern zu einem Festpreis verpachtet. Für die 15-jährige Lauftzeit werden demnach 4,95 Milliarden Euro (rund 9,7 Milliarden Mark) fällig. Interessenten wie Bouyges Télécom und das Konsortium ST3G zogen sich aus Kostengründen zurück, auch die Deutsche Telekom hatte sich deshalb nicht bemüht.

Hubert äußerte sich nicht zu der Frage, ob der Staat seinen Preis für die UMTS-Lizenzen senken und damit auf Einnahmen verzichten solle. Er schlug aber vor, die Zahlungsraten künftig gleichmäßiger auf die Laufzeit der Lizenz zu verteilen. Nach dem bisherigen Modell wird die Hälfte der Gebühr im ersten Jahr fällig.

Die Deutsche Telekom hat klar gemacht, dass sie weiterhin an UMTS in Frankreich interessiert ist. Möglich sei eine Kooperation mit einem französischen Betreiber.