Führungskrise bei VW: Eintracht Wolfsburg - DER SPIEGEL
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Führungskrise bei VW Eintracht Wolfsburg

Zahlen waren bei der heutigen Bilanzpressekonferenz von Volkswagen fast zweitrangig. Was die versammelte Journaille vor allem interessierte, war der schwelende Machtkampf an der Konzernspitze. Volkswagen-Chef Bernd Pischetsrieder fand dazu deutliche Worte.
Von Christian Buchholz
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Wolfsburg - Ein Blitzlichtgewitter empfing Bernd Pischetsrieder zur Bilanzpressekonferenz. Souverän trug der VW-Chef anschließend die Zahlen für das vergangene Jahr vor und erläuterte, dass die Umstrukturierungen dringend weitergehen müssten. Alles wie erwartet. Doch dann kündigte Pischetsrieder an, das er im dritten Teil seines heutigen Vortrags auf ein Thema eingehen werde, dass mit einer Jahres-PK vielleicht nicht allzu viel zu tun habe - ein Thema aber, das vielleicht dennoch interessiere.

Eine spürbare Entspannung gab es im Saal daraufhin erst, als Pischetsrieder den neuen Audi Q7 vorstellte. Audi-Chef Martin Winterkorn habe es geschafft, einen hochdrehenden Sportmotor ohne Turbo in die Fertigung zu bringen: "Dafür benötigen andere angeblich unbedingt Formel-1-Erfahrung". Nach dieser Aussage lächelten sich Pischetsrieder und Winterkorn amüsiert an.

Und endlich kam Pischetsrieder zu dem Punkt, der alle interessierte: Zum Machtkampf, den die beiden Top-Manager "angeblich ausfechten". "Ich hatte kritisiert, dass Audi nicht selbstbewusst genug auftritt - doch das war im Jahr 2002. Dieses, Herr Winterkorn, haben Sie in den letzten Jahren hervorragend geändert", sagte Pischetsrieder. Im "logischen Dreisatz" werde nun aber aus dem neuen Selbstbewusstsein des Audi-Chefs geschlossen, dass Winterkorn zu VW wolle. "Das stimmt nicht, wir werden uns nicht auseinander dividieren lassen", so der VW-Vorstandsvorsitzende.

Ein hartes Dementi - doch seine Rede drehte sich auch weiterhin um den eigenen Joberhalt: Diskussionen über die Verlängerung seines Vertrages gehörten nicht in die Öffentlichkeit, sondern in den Aufsichtsrat; man könne ein Unternehmen nur mit den Mitarbeitern und nicht gegen die Mitarbeiter führen; im Management gebe es einen Rückhalt bezüglich seiner Person und "es ziehen alle an einem Strang".

Nicht ein einziges Mal fällt dabei der Name Ferdinand Piëch, denn der Aufsichtsratschef hatte den amtierenden Konzernchef in der vergangenen Woche angegriffen, indem er eine Vertragsverlängerung ohne Zustimmung durch die Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrat in Frage gestellt hatte.

Gespräche mit Piëch

Erst auf Nachfrage von Journalisten äußerte sich Pischetsrieder zum angeblichen Machtkampf mit dem Aufsichtsratschef. "Piëch hat in einem Zeitungsinterview erklärt, er werde für eine Vertragsverlängerung stimmen - wo ist da also ein Machtkampf?", fragte Pischetsrieder. Auf die Frage, ob er nach dem Erscheinen des Interviews im "Wall Street Journal" bereits mit Piëch gesprochen habe, antwortete er: "Etwa vier Mal. Wir haben dabei aber nicht über meinen Vertrag gesprochen, sondern über andere, wichtigere Dinge".

Auch zu einem angeblichen Widerspruch zwischen seinen Aussagen und denen des Markenvorstands Wolfgang Bernhard zur Zukunft der Werke in Kassel und Salzgitter äußerte sich der Konzernlenker. Pischetsrieder hatte gesagt, er werde keines der Werke schließen, während Bernhard erklärt hatte, über die Schließung von Komponentenbereichen müsse man nachdenken. Dies aber widerspreche sich nicht, so Pischetsrieder. Ergo sollten keine Werke geschlossen werden, die Schließung von Bereichen oder Teilferrtigungen sei aber möglich.

Zum Abschluss betonte der VW-Chef nochmals, dass der Vorstand sich einig sei. "Wir werden uns aber trotzdem hier nicht auf der Bühne gegenseitig umarmen, um das vorzuführen", so Pischetsrieder. Niemand an diesem Tisch habe das Gefühl, dass Volkswagen unregierbar sei.

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