Gerangel Wer wird Chef des IWF?
Der Staatssekretär im Bundesfinanzministerium, Caio Koch-Weser, ist "der" Kandidat der Bundesregierung und auch des Bundeskanzlers für die Nachfolge von Michel Camdessus an der Spitze des Internationalen Währungsfonds IWF. Das hatte der stellvertretende Regierungssprecher Bela Anda am Freitag in Berlin noch einmal bekräftigt. Koch-Weser habe die volle Unterstützung der Regierung. Nach seiner Kenntnis finde Koch-Weser die breite Unterstützung der europäischen Partner.
Diese Unterstützung für den deutschen Kandidaten bewertet die "Financial Times" in ihrer Samstags-Ausgabe jedoch insgesamt als allenfalls "lauwarm". Die Vereinigten Staaten meldeten Zweifel an Koch-Wesers Eignung für das hohe Amt an, flankiert von "einigen südamerikanischen Staaten" und Frankreich. Zwar habe Koch-Weser 20 Jahre Erfahrung mit der Weltbank, an Erfahrung mit der "hohen Politik" mangele es ihm jedoch.
Im Gegensatz zu Frankreichs Kandidaten Laurent Fabius, immerhin ehemaliger Premierminister und derzeitiger Parlamentspräsident Frankreichs. Im Rennen ist daneben noch der Japaner Eisuke Sakakcome, den Tokio gern als ersten asiatischen IWF-Präsidenten sehen würde. Israel wirbt mit der Kompetenz seines ehemaligen Zentralbankvorsitzenden Jakob Frenkel.
Alles scheint also auf eine hitzige Debatte und mühseliges Lobbyieren im Rahmen der nächsten G7-Konferenz am 22. Januar in Tokio hinauszulaufen. Bisher deutet nichts darauf hin, dass die Vertreter der führenden Industriestaaten dort zu einer Einigung kommen werden. Grund genug für Gerhard Schröder, für seinen Kandiadaten jetzt vehement die Trommel zu rühren. Für Montag ließ er seinen außenpolitischen Berater Michael Steiner 40 Botschafter ins Kanzleramt einladen, um diese dort eingehend über die Vorzüge von Caio Koch-Weser zu informieren. Auch in Telefonaten und einem Brief an die Mitgliedsstaaten des IWF-Exekutivausschusses wolle Schröder für Koch-Weser werben, berichtete der SPIEGEL vorab am Samstag.
Sollte es zu keiner Einigung über die derzeit diskutierten Kandidaten kommen, bevor Michel Camdessus im Februar sein Amt niederlegt, könnte der Kompromiss-Kandidat am Ende Stanley Fischer heißen. Der ehemalige MIT-Professor ist Camdessus' Stellvertreter und wird die Amtsgeschäfte auch kommissarisch leiten, bis ein Nachfolger gefunden ist. Die "Financial Times" nennt ihn nun als einen der Nachfolgekandidaten.
Frank Patalong