Gesa Rau Mehr Glück als Pech
27. August 2002
Nun hat sich bei mir alles so geklärt, was mich persönlich sehr zufrieden macht. Zwei Angebote für eine neue Beschäftigung habe ich nun zur Auswahl. Das kommt verhältnismäßig selten vor und ist für mich eine nette Erfahrung. Ich habe mich entschieden als selbständige Beraterin weiter zu machen und nebenbei meine Geschäftsidee zu verwirklichen. Die liegt mir, wie mir immer wieder beschieden wurde, doch sehr am Herzen und ich bin überzeugt, daß ich damit erfolgreich werden kann. Der Weg für die nächste Zeit liegt klar vor mir und die Arbeitslosigkeit hat mir fast mehr Glück gebracht als Pech.
16. August 2002
Das Gespräch mit der Beteiligungsfirma verlief außerordentlich erfolgreich. Die drei Herren, die sich zu dem Gespräch eingefunden hatten, waren nur durch die kurze Beschreibung im SPIEGEL-Titel der festen Meinung, dass ich wunderbar in ihr Team passen würde. Ich bin offensichtlich dem Typ der derzeitigen Finanzchefin sehr ähnlich und habe das Glück, dass die Dame wohl einen sehr guten Job macht.
Außerdem wurde mehrfach darauf hingewiesen, dass man sehr gute Erfahrungen besonders mit Frauen in Führungspositionen habe und sich sehr gerne mit einer weiteren Frau verstärken würde. Man war so euphorisch, dass man mir gleich bedeutete, weitere Vorstellungstermine beispielsweise als Interimsmanagerin wären ab jetzt überhaupt nicht notwendig, da ich ja doch bei ihnen anfangen würde. Nachteil der Position ist, dass sie in Berlin ist und ich natürlich mehr als Vollzeit zu tun hätte. Damit komme ich mit meiner Geschäftsidee doch ins Gehege.
Also, was tun sprach Zeus? Derartig positive Resonanz bin ich überhaupt nicht mehr gewohnt. Die Erfahrungen der letzten Monate hat mir gezeigt, dass nach anfänglicher Euphorie häufig Absagen kommen. Daher werde ich in Ruhe abwarten, wie sich der nächste Termin ausgeht und dann entscheiden.
Finanziell würde die neue Aufgabe natürlich unter meinem alten Gehalt liegen, aber immer noch höher als mein derzeitiges Arbeitslosengeld.
Der SPIEGEL-Titel hat neben den positiven Reaktionen auch merkwürdige Folgen. Gestern erhielt ich einen Anruf von einem Herrn L...., der beschrieb, dass er auch arbeitslos sei, aber leider mit über 50 noch weniger Chancen auf dem Arbeitsmarkt hätte. Meine im Artikel beschriebene Geschäftsidee würde ihn sehr faszinieren und ob ich ihm nicht mitteilen könnte, was ich da mache, welche Art von Werkstattausrüstung ich habe, woher ich sie beziehe und so weiter und so fort. Jetzt bin ich doch irritiert, war das tatsächlich nur ein naiver Mensch oder meldet sich hier schon die Konkurrenz, die um neue Wettbewerber fürchtet?
14. August 2002
Über den SPIEGEL wurde ein Kontakt zu einer Beteiligungsfirma hergestellt, die sich personell verstärken möchte. Durch den Artikel sind sie auf mich aufmerksam geworden und halten mich nach der vorhandenen Beschreibung für passend für die zu besetzende Position. Hier habe ich am Donnerstag einen Vorstellungstermin.
Daneben bin ich nach wie vor auf der Suche nach einem Interims- Managementjob. Mir wurde durch Adecco eine Position angeboten. Am kommenden Donnerstag werde ich mein zweites Vorstellungsgespräch haben. Diese Position würde perfekt für mich sein, da es sich um eine Halbtagsposition handelt, bei der ich nebenbei meine eigene Geschäftsidee (siehe Porträt) nach vorne treiben kann.
Da es sich bei meiner Geschäftsidee wahrscheinlich um ein Handwerk im Sinne der Handwerksrolle handelt, muss ich eine Ausnahmeregelung für die Eintragung in der Handwerksrolle haben. Hierzu müsste ich eine Prüfung ablegen, die von der Glaserinnung durchgeführt wird. Deshalb treffe ich mich heute mit dem Obermeister der Glaserinnung. Am Dienstag hatte ich schon einen Termin bei der Handwerkskammer, um dort meinen Business-Plan vorzustellen. Erfreulicherweise ist mein Zahlenwerk positiv aufgenommen worden.