Große Sorge - DER SPIEGEL
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Katzer Große Sorge

Dem Verbindungsmann zwischen CDU und Gewerkschaften, Hans Katzer, droht Ausschluß aus der ÖTV. Die Christdemokraten sehen die Einheitsgewerkschaft auf dem Weg zur »Einseitsgewerkschaft«.
• aus DER SPIEGEL 44/1972
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Das Mitglied der Gewerkschaft Öffentliche Dienste, Transport und Verkehr Hans Katzer machte sich Mut. Vor akklamierendem CDU-Stammpublikum im schwäbischen Bonlanden beteuerte der linke Verteidiger in Rainer Barzels rechter Führungsmannschaft Ende voriger Woche: »Ich bleibe vor, während und nach der Wahl Gewerkschaftler.«

Seit kurzem ist das nicht mehr sicher. Mit einem Ausschlußverfahren wollen Kölner ÖTV-Kollegen gewerkschaftsschädigende Äußerungen ihres Mitglieds Hans Katzer ahnden: Auf einer CDU-Wahlveranstaltung im rheinischen Wermelskirchen habe Katzer behauptet, empörten sich die Kollegen. die ÖTV fülle mit Gewerkschaftsbeiträgen die Parteikasse von Willi Brandts Sozialdemokraten,

ÖTV-Pressesprecher Rudi Wörl: »Ganz egal, wer das sagt, diese Unterstellung würde einen Ausschluß rechtfertigen.« Katzers Hauptgeschäftsführer der CDU-Sozialausschüsse und IG-Metall-Mitglied Norbert Blüm aber wittert nur einen billigen Vorwand: »Das ist ein Versuch, uns hinauszudrängen. Das nenne ich Spaltung.«

Die Einheit von 380 000 Christdemokraten und 700 000 Sozialdemokraten unter den knapp sieben Millionen Mitgliedern der laut Satzung parteipolitisch unabhängigen DGB-Gewerkschaften war allerdings schon zuvor belastet worden:

* Im April lud DGB-Chef Heinz Oskar Vetter die gewerkschaftlich organisierten Bundestagsabgeordneten zum Essen ein und fragte, wie sie es mit den Ostverträgen hielten. Wütend verließ ÖTV-Mitglied Katzer die Vetter-Tafel.

* Im Juni weigerten sich die Delegierten des DGB-Kongresses in Berlin. den CDU-Abgeordneten Adolf Müller

* Im September legte die Düsseldorfer Gewerkschaftsspitze ein SPD-nahes Programm vor, an dessen acht Punkten die Qualität der Bundestagskandidaten für den 19. November von den Arbeitnehmern gemessen werden sollte. Unter den »Prüfsteinen« (DGB-Jargon) fand sich auch die von der CDU abgelehnte paritätische Mitbestimmung. Katzer böse: Der DGB sei auf dem Weg »von der Einheitsgewerkschaft zur sozialdemokratischen Einseitsgewerkschaft«.

Ein Ausschluß des ÖTV-Mitglieds Hans Katzer, drohte vergangene Woche sogleich der nordrhein-westfälische Christdemokraten-Chef Heinrich Köppler, würde endgültig Konsequenzen nach sich ziehen. Nicht-Gewerkschaftler Köppler: »Wir sind in großer Sorge um die Zukunft der Einheitsgewerkschaft.«

Darauf bedacht, die Solidarität der Arbeitnehmer über parteipolitische Grenzen hinweg zu wahren, versuchte die ÖTV-Spitze, dem Gewerkschaftskollegen Katzer die selbst heraufbeschworene Vertreibung zu ersparen. Nach fünfstündigem Palaver einigte sich ÖTV-Chef Heinz Kluncker mit seinen Kölner Kollegen auf einen möglichen Ausweg: Katzer solle schriftlich noch einmal die umstrittenen Äußerungen auslegen.

Wenn der Christen-Kollege erkläre, er habe nicht von finanzieller (und damit satzungswidriger), sondern nur allgemein von politischer Unterstützung der Sozialdemokraten durch die ÖTV gesprochen, so meinten die Kollegen, könne man den gefährlichen Zwist weitgehend begrenzen -- zumal ziemlich widersprüchliche Aussagen über den Verlauf der CDU-Veranstaltung in Wermelskirchen vorlagen. DGB-Vorstandsmitglied Gerd Muhr suchte ebenfalls den Streit zu dämpfen: »Das ist wohl in einer aufgeheizten Atmosphäre passiert.«

Nun aber droht der feingesponnene Friedensplan der Spitzengewerkschaftler an Rosalie Kasiske, DGB-Kreisausschußvorsitzende in Remscheid, zu scheitern: »Ich habe eine Kollegin aufgetrieben«, verkündete die Funktionärin froh, »die hat alles mitstenographiert.«

Auf die Frage, warum der stellvertretende CDU-Vorsitzende Katzer (Monatseinkommen: über 6000 Mark) lediglich zehn Mark Gewerkschaftsbeitrag im Monat zahle, obwohl laut Satzung ein Prozent des Einkommens fällig wäre, antwortete ÖTV-Mitglied Hans Katzer tatsächlich Verfängliches.

»Ich zahle so lange keine höheren Beiträge«, beschied der Christdemokrat die Gewerkschaftskollegen von der Basis laut DGB-Steno, »wie mit diesem Geld die Partei finanziert wird, die ich politisch bekämpfe.«

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