Hapag-Lloyd-Krise: Experten warnen vor TUI-Pleite - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Hapag-Lloyd-Krise Experten warnen vor TUI-Pleite

Hapag-Lloyd droht zur Gefahr für den Anteilseigner TUI zu werden. Analysten warnen vor einer TUI-Pleite, falls die angeschlagene Reederei ihre Kredite nicht zurückzahlt. Ob das Schifffahrtsunternehmen weitere Geldspritzen von seinem Mutterkonzern erwarten kann, ist unklar.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Hannover/Hamburg - Experten zeichnen Schreckensszenarien für den Reisekonzern TUI: Die Not der angeschlagenen Reederei Hapag-Lloyd drohe TUI in den Abgrund zu ziehen, schätzen Analysten. Sollte der Konzern nicht bis März 2010 seine Refinanzierung sichern können, sei eine Insolvenz der TUI-Holding nicht auszuschließen, schreibt Analyst Stefan Schmitz von der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) in einer Studie.

Hapag-Lloyd-Frachter: TUI will keine Kapitalspritze mehr geben

Hapag-Lloyd-Frachter: TUI will keine Kapitalspritze mehr geben

Foto: Hapag-Lloyd

Hans-Peter Wodnick von der Bank Close Brothers Seydler zieht sogar eine Parallele zum Handels- und Touristikkonzern Arcandor  . Das Unternehmen steht nach seiner Insolvenz vor der Zerschlagung. Dort sorgt vor allem die Versandsparte Primondo für Verluste, während das Reisegeschäft als leicht zu verkaufen gilt.

Bei TUI ist die Situation zumindest ähnlich. Die Reederei Hapag-Lloyd ist wegen sinkender Frachtmengen und Preise in Not geraten und auf finanzielle Hilfe angewiesen. Unternehmenschefs Michael Behrendt hatte den Kapitalbedarf im schlimmsten Fall auf 1,75 Milliarden Euro beziffert. Am Dienstag kommt der Aufsichtsrat der Reederei zusammen, um über das weitere Vorgehen zu beraten.

Im Gespräch ist, staatliche Garantien in Anspruch zu nehmen. Zu Medienberichten, wonach noch in dieser Woche ein Antrag auf eine staatliche Bürgschaft von fast einer Milliarde Euro gestellt wird, wollte sich eine Unternehmenssprecherin am Montag nicht äußern. Zudem ist im Rahmen des Hilfspakets eine weitere Kapitalspritze der Hapag-Lloyd-Eigentümer - der größte ist TUI - in Höhe von bisher unbestätigten 750 Millionen Euro angedacht.

TUI lässt Art weiterer Hilfe offen

Unklar ist, ob der Reisekonzern erneut die Reederei mit Kapital stützen wird. Die Nachrichtenagentur Reuters meldete am Montagabend unter Berufung auf mit der Situation vertraute Personen, die Hapag-Lloyd-Eigner seien darauf eingestellt, über die vor Kurzem beschlossene Soforthilfe von 330 Millionen Euro hinaus 420 Millionen Euro zu geben. "Ob TUI weitere Barmittel zuschießt oder bestehende Kredite an Hapag in Eigenkapital wandelt, ist allerdings noch offen", hieß es. Letzteres werde favorisiert.

Stunden zuvor war mit Verweis auf mehrere Personen aus dem Konzern-Umfeld berichtet worden, die beschlossene Geldspritze von 330 Millionen Euro reiche nach Einschätzung von TUI aus. "Ich kann mir nicht vorstellen, dass es noch mehr Geld von TUI gibt", wurde eine mit der Angelegenheit vertraute Person zitiert. Allerdings werde die Lage bei Hapag-Lloyd im Herbst noch einmal überprüft.

Die Hapag-Lloyd-Eigentümer hatten der Reederei erst Ende Juli 330 Millionen Euro zur Verfügung gestellt und übernahmen im Gegenzug zusammen ein Viertel des Container-Terminals Altenwerder in Hamburg. TUI steuerte als größter Anteilseigner 215 Millionen Euro bei, während andere Eigner wie der Transportunternehmer Klaus-Michael Kühne, die Warburg-Bank und die Versicherung Hanse-Merkur sich nicht an der Rettungsaktion beteiligten.

TUI hatte sich Anfang des Jahres von der Mehrheit an Hapag-Lloyd getrennt. Weil das Geschäft in letzter Minute zu platzen drohte, behielt der Konzern mit 43,33 Prozent einen größeren Anteil an der Gesellschaft als zuvor geplant. Das wirkt sich nun negativ aus. Die Analysten befürchten, dass die Reederei ihre Schulden bei TUI nicht oder nicht rechtzeitig zurückzahlen kann. Dadurch könne auch der Mutterkonzern in Not geraten.

Anders als Hapag-Lloyd könne TUI aber nicht auf staatliche Hilfe hoffen, da die Reederei und die Reisetochter TUI Travel auch ohne die Muttergesellschaft überleben könnten, schreibt LBBW-Analyst Schmitz. Falls Hapag-Lloyd tatsächlich seine Darlehen nicht zurückzahle, blieben TUI zudem kaum attraktive Möglichkeiten, die Zahlungsunfähigkeit abzuwenden. Lukrative Randsparte gibt es nicht, und der Verkauf von Anteilen an der Touristik-Tochter TUI Travel würde "einem Ausverkauf der bereits stark ausgehöhlten Holding" gleichkommen.

tko/dpa/Reuters

Mehr lesen über