Hauptversammlung: Commerzbank droht Aktionärs-Protest - DER SPIEGEL
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Hauptversammlung Commerzbank droht Aktionärs-Protest

Am Freitag versammeln sich die Aktionäre von Deutschlands zweitgrößter Bank und sollen den Staatseinstieg absegnen. Nicht nur deshalb dürfte es bei der Commerzbank-Hauptversammlung turbulent werden: Nach einer Analyse von JP Morgan fehlen der Bank weitere Milliarden.
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Frankfurt - Es wird nicht einfach: Gleich zwei Tage hat die Commerzbank   vorsorglich für ihre Hauptversammlung angesetzt. Am Freitag treffen sich die Aktionäre in Frankfurt, beraten wird über den Einstieg des Staates bei Deutschlands zweitgrößter Bank.

Commerzbank-Zentrale in Frankfurt: Turbulente Versammlung steht an

Commerzbank-Zentrale in Frankfurt: Turbulente Versammlung steht an

Foto: DPA

Streit ist vorprogrammiert: Schon im Vorfeld äußerten etliche Anteilseigner Unmut darüber, dass das Management die angeschlagene Dresdner Bank ohne ihre Zustimmung gekauft und dem Dax-Konzern damit erhebliche Probleme beschert habe.

Mehrere Aktionäre wollen Commerzbank-Chef Martin Blessing und der Führungsriege deshalb nicht ihr Vertrauen aussprechen, auch die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) will verlangen, dass die Entlastung von Vorstand und Aufsichtsrat vertagt wird. Darüber hinaus fordern Aktionäre eine Sonderprüfung, die sich auf "sämtliche Fragen des Erwerbs der Dresdner Bank" erstrecken solle.

Dresdner Bank drückt das Ergebnis

"Man muss in der Tat die Frage stellen, ob zum Zeitpunkt der Akquisition die Probleme wirklich nicht gesehen werden konnten", sagte DSW-Sprecher Klaus Nieding. Die Commerzbank hatte sich Ende August mit dem Versicherungskonzern Allianz auf den Kauf der Dresdner Bank geeinigt. Am Ende des Jahres stand bei der Dresdner ein Rekordverlust von 6,3 Milliarden Euro in den Büchern, was maßgeblich zu den roten Zahlen der Commerzbank im ersten Quartal 2009 beitrug.

Unter anderem wegen der Übernahme der einstigen Konkurrentin - letztlich für einen Kaufpreis von 4,7 Milliarden Euro - muss die Commerzbank vom Staat mit insgesamt 18,2 Milliarden Euro Kapital gestützt werden. Im Gegenzug soll der Bund über den Bankenrettungsfonds Soffin mit 25 Prozent plus einer Aktie größter Einzelaktionär des Instituts werden.

Weitere Milliarden könnten fehlen

Aber Analysten bezweifeln, dass das reichen wird. Aller Voraussicht nach kommt die Commerzbank nicht um eine weitere milliardenschwere Kapitalerhöhung herum, so die Einschätzung der US-Bank JP Morgan. In einer am Donnerstag veröffentlichen Studie sehen die Analysten "zu einer Erhöhung des Grundkapitals nur wenige Alternativen".

Die Bank habe nicht ausreichend Kapital und werde auch künftig nicht genug Kapital schaffen können, um die stille Einlage des Bundes zurückzahlen zu können. Bis zu 18 Milliarden Euro sind nach Ansicht der Analysten im Extremfall nötig. Die Commerzbank-Aktie gehörte mit einem Abschlag von zeitweise über fünf Prozent zu den größten Verlierern im Leitindex Dax.

Die Analysten von JP Morgan rechnen vor, dass die enger gefasste Kernkapitalquote (Core Tier1) - also ohne die Einbeziehung der stillen Einlage und ohne Hybridkapital - bei 2,8 Prozent liege und damit im Branchenvergleich am untersten Ende. Weitere Verluste könnten die Quote im kommenden Jahr sogar unter zwei Prozent drücken. Als Alternative zu einer Kapitalerhöhung sehen die Experten eine Umwandlung der stillen Einlage des Bundes in Aktien, wodurch der Staatsanteil an der Commerzbank noch weiter steigen würde.

Commerzbank teilt Schlussfolgerungen nicht

Commerzbank-Chef Martin Blessing hat kürzlich selbst eine Kapitalerhöhung nicht ausgeschlossen, um das Staatsgeld bald zurückzahlen zu können. Ein Sprecher der Commerzbank sagte zu der Studie von JP Morgan, die Bank könne die Schlussfolgerungen der Analysten nicht nachvollziehen. Außerdem sehe sich die Bank mit einer Kernkapitalquote von 10,2 Prozent - inklusive der Stillen Einlage - zum Ende des ersten Quartals ausreichend kapitalisiert.

Nach Ansicht von JP Morgan sind auch die von Blessing gesteckten Ziel eines operativen Ergebnisses von über vier Milliarden Euro und einer Eigenkapitalrendite von zwölf Prozent ab 2012 nicht erreichbar für das Institut. Sie rechnen höchstens mit einem operativen Ergebnis von 3,2 Milliarden Euro, was einer Rendite von zehn Prozent entspreche.

Da werden die Aktionäre einiges zu bereden haben. Am Freitag um 10 Uhr steht in der Jahrhunderthalle im Frankfurter Stadtteil Höchst der erste Tagesordnungspunkt an: Jahresbericht und Lagebericht für das Geschäftsjahr 2008.

ore/dpa-AFX/Reuters

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