Herbststürme: Das mystische Element der Börse - DER SPIEGEL
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Herbststürme Das mystische Element der Börse

Manche Leute spüren es, wenn etwas nicht in Ordnung ist. Doch nur in den seltensten Fällen können sie klar und deutlich darüber reden.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Von meinem Lieblings-Schriftsteller Michel Houellebecq ist dieser Tage der erste Gedichtband in Deutsch erschienen. Am interessantesten finde ich das folgende Zitat auf dem Klappentext: "Ich möchte folgende winzige Botschaft hinterlassen: 'Jemand hat in den 90er Jahren des 20. Jahrhunderts deutlich die Entstehung eines monströsen und globalen Mangels verspürt; außerstande, das Phänomen klar zu umreißen, hat er uns jedoch - als Zeugnis seiner Inkompetenz - einige Gedichte hinterlassen.'"

Hat das etwas mit der Börse zu tun? Direkt nicht, doch es erinnert fatal an den Ausspruch, der von Deutsche Bank-Chef Rolf Breuer neulich auf der Jahrestagung von IWF und Weltbank überliefert ist: "Ich spüre, dass etwas nicht in Ordnung ist, aber keiner kann mir sagen, was es ist."

Und plötzlich begegnen mir lauter solche Zitate. In einem der schönsten Stücke der Popgeschichte, dem Lied "Surf's Up" der Beach Boys, hat beispielsweise Brian Wilson die mystischen Zeilen produziert: "The Music Is All Lost For Now - To A Muted Trumpeters Swan. Columnated Ruins Domino."

Hat das etwas mit der Börse zu tun? Direkt nicht, doch es ist ein Stilbruch einer ansonsten einheimelnden Strandmusik - und weist somit auf etwas völlig Neues. Oder denken wir hier plötzlich an die Fernsehwerbung einer großen deutschen Bank, in der unentwegt tausende von Dominosteinen zusammenklappen. Oder denken wir vielleicht an etwas ganz anderes?

Und da ist natürlich Nostradamus mit seinem schönen Vierzeiler für das Jahr 2000 - geschrieben bereits im 16. Jahrhundert: "Schiffe fahren zum Kampf nicht nachts - Zeit des geldgierigen Irrtums. Das Feuer der fünfzehn Schiffe den Stützpunkt zerstört. Rotreiches Neue schwitzt - dort großes Schiff - Matrosen schmücken sich. Erzürnen bis zur Nutzlosigkeit Sieg indem man zwei zerstört."

Hat das etwas mit der Börse zu tun? Man kann sich gewiss viele Reime auf diese Zeilen machen: "Rotreiches Neue" - Taiwan? Zerstörung? Doch eine Zeile lässt wohl auch den Börsianer aufhorchen: "Zeit des geldgierigen Irrtums". Warum gerade in diesem Jahr? Warum steht dieser Satz gerade in der Prophezeiung für dieses schwierige Börsenjahr und nicht für irgendein anderes Jahr?

Ein professioneller Logiker wird natürlich sofort darauf hinweisen, dass derartige Prognosen unmöglich sind. Doch der professionelle Logiker, hier in Gestalt von Ludwig Wittgenstein, sagt dazu auch Folgendes: "Es gibt allerdings Unaussprechliches. Dies zeigt sich, es ist das Mystische. Wovon man nicht sprechen kann, darüber muss man schweigen."

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