Hewlett-Packard Zwangsurlaub aus Geldnot
Palo Alto - Es geht um Millionen Dollar Kosten für Rückstellungen, Heizung, Gebäudebeleuchtung und Sicherheitspersonal: Weil Hewlett-Packard weltweit den Gürtel enger schnallt, werden Fabriken, Büros, Warenhäuser und teilweise auch Callcenter ab Weihnachten geschlossen. In den USA etwa macht HP den Laden zwischen Weihnachten und dem 2. Januar dicht.
Gerade in Amerika werden Kunden und Konkurrenten mit hochgezogenen Augenbrauen auf diesen Schritt reagieren - gilt doch ein Stopp der Geschäfte in der Hochburg des Kundenservice als höchst unüblich. Beleuchtung, Beheizung und Bewachung der HP-Gebäude werden auf ein Minimum heruntergefahren. In Großbritannien werden die 3600 Mitarbeiter sogar bis zum dritten Januar beurlaubt.
E-Mail vom Management
Ein Sprecher von HP Amerika bestritt gegenüber dem britischen "Guardian", dass die Sparmaßnahme von finanzieller Verzweiflung zeuge. "Nein, absolut nicht. Das ist eine vernünftige Geschäftsmaßnahme in Zeiten lahmender Konjunktur."
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Auch in Deutschland wurden die HP-Mitarbeiter, insgesamt sind es 5900, per E-Mail vom Management aufgefordert, sich zwischen den Jahren freizunehmen. Das bestätigte Jeanette Weißschuh, Leiterin der Unternehmenskommunikation, auf Nachfrage von SPIEGEL ONLINE. Allerdings würde hier bereits ab dem 2. Januar wieder gearbeitet, die Sonderbeurlaubung gilt also nur für drei Tage. Hotlines für die Kundenberatung seien aber weiter besetzt, auch unaufschiebbare Kundenprojekte würden fortgesetzt.
Weniger Urlaubsansprüche, weniger Rückstellungen
Im letzten Jahr, so Weißschuh, habe es keine derartige Urlaubsanordnung aus der deutschen Chefetage gegeben. Allerdings sei in der Vergangenheit "schon verschiedentlich" so verfahren worden, das sei aber "ein paar Jahre her". Die Mail von Oben sei im Zusammenhang mit den "weltweiten Sparmaßnahmen" zu sehen.
Schon zwischen Mai und Oktober, vor dem Ende des HP-Geschäftsjahres, wurden Mitarbeiter aufgefordert, so Weißschuh, jeden Monat einen Tag Urlaub zu nehmen. Denn bei HP würden Langzeiturlaubskonten geführt. Wenn auf den Konten weniger Urlaubstage stehen, müsse der Konzern auch weniger Rückstellungen bilden.
Bitte um Lohnverzicht
Zugleich hat der weltweit zweitgrößte Computerkonzern im Juli seine knapp 90.000 Beschäftigten weltweit gebeten, für drei Monate auf zehn Prozent ihres Gehalts zu verzichten. Die überwältigende Mehrheit stimmte zu. Das allerdings hinderte Konzernchefin Carly Fiorina nicht daran, noch im gleichen Monat den Abbau von rund 6000 Stellen anzuordnen.
Als Begründung verwies Fiorina auf die Schwäche des Hightech-Marktes. Im letzten Quartal kam es dann noch schlimmer: Das bereinigte Ergebnis pro Aktie vor Sonderposten betrage vier Cent, teilte das Unternehmen mit - nach 45 Cent im Vorjahreszeitraum. Dass die milliardenschwere Fusion mit Compaq nach dem Nein der Packard-Stiftung nun vor dem Aus steht, dürfte HP bewogen haben, seine Sparbemühungen noch einmal zu verstärken.
Von Matthias Streitz