HP-Compaq Die erste Runde geht an Carly
New York - Nach monatelangem Werben von beiden Seiten hat die Anlegerberatung Institutional Shareholders Services (ISS) den HP-Aktionären empfohlen, am 19. März für die Fusion mit Compaq zu stimmen. Die Unternehmensführung habe überzeugend dargelegt, dass ihr Szenario "erreichbar" sei, sagte ISS-Vizepräsident Richard McGurn am Dienstag nach Börsenschluss. Laut HP würde das Gemeinschaftsunternehmen zum Marktführer in den Geschäftsbereichen PC, Linux- und Unix-Server und Datenspeicher.
Das mit Spannung erwartete ISS-Urteil galt vielen Beobachtern als Vorentscheidung, ein Nein wäre wahrscheinlich der Todesstoß für die 22-Milliarden-Dollar-Fusion gewesen. Umgekehrt bedeutet das Ja jedoch noch längst nicht den Sieg der Fusionsbefürworter um HP-Chefin Carly Fiorina. "Das Management brauchte die ISS-Zustimmung, um eine echte Chance zu haben, die Fusion durchzubekommen. Die haben sie jetzt", sagte Larry Puglia, Fondsmanager bei T. Rowe Price.
Fiorina feierte die Entscheidung als "Meilenstein". Gründersohn Walter Hewlett, der Anführer der Fusionsgegner, hingegen wiegelte ab: ISS sei dafür bekannt, zu den Bossen zu halten, daher sei die Empfehlung nicht überraschend. Ärgerlich sei sie aber dennoch, denn, so schrieb er in einem Statement, "ISS hat den entscheidenden Punkt übersehen - die Fusion vernichtet Shareholder Value".
Besonders beeindruckt zeigte sich das ISS-Team von den 500.000 Arbeitsstunden, die HP und Compaq bisher auf Integrationsfragen verwandt hätten. Das sei der Schlüssel zum Erfolg der Fusion. Auch die geplanten Einsparungen von 2,5 Milliarden Dollar schienen im Bereich des Möglichen.
ISS sprang jedoch auch Hewlett bei und kritisierte die HP-Führung für die Schlammschlacht gegen das Aufsichtsratsmitglied. "Walter Hewlett verdient den Dank der Aktionäre", heißt es in dem Bericht. Vor allem sein Hinweis auf den Erfolgsbonus, der für Fiorina und Compaq-Chef Michael Capellas im Gespräch war, sei sehr hilfreich gewesen. "Dies zeigt die Notwendigkeit, dass Hewlett oder ein Aktionärsschützer auch in Zukunft im Aufsichtsrat sitzen", schreibt Chef-Analyst Ram Kumar.
Die ISS-Empfehlung kam zwei Wochen vor der Abstimmung der HP-Aktionäre. Bisher haben sich über 20 Prozent der Aktionäre, darunter die Familien Hewlett und Packard, gegen die Fusion ausgesprochen, aber nur fünf Prozent dafür. Eine Ablehnung durch die ISS hätte den Widerstand unüberwindbar erscheinen lassen. So viel Mut hatten die ISS-Analysten dann wohl doch nicht. Stattdessen hat das Carly-Lager nun deutlich zugelegt - wie viel genau, ist umstritten. Die Schätzungen schwanken zwischen 10 und 40 Prozent.
23 Prozent der HP-Aktionäre sind ISS-Kunden. Diese sind in der Vergangenheit meistens der Empfehlung gefolgt. Aber es ist nicht garantiert, dass sie mit Ja stimmen. Die niedrigsten Schätzungen sehen den ISS-Einfluss daher bei zehn Prozent der Stimmen. Auf der anderen Seite sind auch die Index-Fonds für die ISS-Meinung empfänglich: Sie halten weitere neun Prozent der HP-Aktien. Dazu kommt die Öffentlichkeitswirkung, die weitere Investoren überzeugen könnte. HP schätzt daher, dass die Empfehlung rund 40 Prozent der Stimmen sichert.
Wall-Street-Analysten bleiben jedoch skeptisch. Schließlich muss die HP-Führung bis zur Abstimmung 66 Prozent der Aktionäre für die Fusion gewinnen. Und Walter Hewlett hat schon angekündigt, dass die Schlacht weitergeht.