HP-Compaq: Super Tuesday im Silicon Valley - DER SPIEGEL
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HP-Compaq Super Tuesday im Silicon Valley

Heute gibt die Beratungsfirma Institutional Shareholder Services ihr richtungweisendes Votum für die geplante Fusion von Hewlett-Packard und Compaq bekannt. Der Streit zwischen Fusionsgegnern und -befürwortern erinnert immer mehr an einen amerikanischen Wahlkampf.
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Palo Alto - Einer am Montag veröffentlichten Umfrage zufolge sind 64 Prozent aller Hewlett-Packard-Angestellten gegen eine Fusion mit dem Wettbewerber Compaq Computers. Lediglich 28 Prozent der Mitarbeiter sind laut einer Untersuchung der Field Research Corporation für das Verschmelzen der beiden Unternehmen. Auftraggeber der "unabhängigen" Studie: Walter Hewlett, Treuhänder der William and Flora Hewlett Foundation und erbitterter Gegner des Zusammenschlusses.

Nun ist das mit Umfragen so eine Sache. Selbstverständlich hat HP ebenfalls eine Befragung unter den eigenen Mitarbeitern durchführen lassen. Das überraschende Ergebnis der im Januar veröffentlichten Studie: Die HP-Belegschaft findet den Mega-Merger super, insgesamt zwei Drittel der Belegschaft sind dafür.

In der PR-Schlacht zwischen HP-Chefin Carleton "Carly" Fiorina und Walter Hewlett sind zweifelhafte Umfragen noch eines der harmloseren Instrumente. Die anfangs noch sachlich geführte Diskussion über den betriebswirtschaftlichen Nutzen von "HP-Compaq" ist inzwischen zu einer Schlammschlacht verkommen.

Wahlkampf statt Wirtschaft

Den homo oeconomicus sucht man in der Debatte inzwischen vergebens - stattdessen erinnert das Ganze eher an Wahlkampf. Sowohl HP als auch Hewlett unterhalten spezielle "War Rooms", in denen PR-Beratern und Anwälte den nächsten Marketing-Schachzug austüfteln. HP hat eigens eine Website namens www.votetheHPway.com  eingerichtet, die von einem Unternehmen betreut wird, dass sich eigentlich auf Politikberatung spezialisiert hat. Walter Hewlett unterhält ebenfalls einen Internetauftritt namens www.votenohpcompaq.com .

Auf beiden Webseiten kann sich der geneigte HP-Aktionär stapelweise Finanzanalysen, Stellungnahmen oder juristische Erörterungen herunterladen. Aber die wirtschaftlichen Argumente sind inzwischen Nebensache. Die Kontrahenten werfen sich gegenseitig Unfähigkeit, Täuschungsmnöver oder persönliche Bereicherung vor. HP porträtiert Hewlett als ahnungslosen Dilettanten; in einem Brief an die Aktionäre vom 18. Januar wird der Softwareentwickler als "Musiker und Akademiker" verspottet. Hewlett, heißt es weiter, habe "nie für das Unternehmen gearbeitet und war nie am Management beteiligt."

Ähnlich freundlich äußert sich das Hewlett-Lager über Carly Fiorina. Nach Ansicht Hewletts führt Fiorina die Aktionäre in die Irre - und zwar vorsätzlich. Pläne, nach denen Fiorina und Compaq-Boss Michael Cappellas bei erfolgreichem Vollzug der Fusions-Ehe eine Zahlung von 115 Millionen Dollar erhalten sollen, schlachteten Hewletts PR-Leute weidlich aus. Sie versuchen, die HP-Chefin als eine geldgierige Egomanin darzustellen, die mit ihren ehrgeizigen Pläne ein Traditionsunternehmen vor die Wand fährt.

Heute ist der erste Wahlgang

Wenn HP-Compaq ein Wahlkampf amerikanischen Stils ist, dann ist Dienstag, der 5. März, der "Super Tuesday": Heute fällt die Vorentscheidung über die Fusion, wenn das Unternehmen Institutional Shareholder Services nach US-Börsenschluss seine Empfehlung für institutionelle Investoren bekannt gibt. Jene Fonds- und Vermögensmanager, die den Service von ISS abonniert haben, halten geschätzte 23 Prozent der HP-Anteile. Allerdings ist keineswegs sicher, dass alle ISS-Kunden bei der Hauptversammlung dann so abstimmen, wie es das Beratungsunternehmen vorschlägt.

Die "Kandidaten" kämpfen derweil um jede Stimme. Hewlett und Fiorina sind rund um die Uhr damit beschäftigt, wichtige Aktionäre zu bearbeiten, neue Studien zu erstellen, Präsentationen zu erläutern. ISS-Vizepräsident Patrick McGurn und sein Chefanalyst Ram Kumar sagten dem "Wall Street Journal", die Kontrahenten riefen sie praktisch täglich an.

Jede Stimme zählt. Das erfuhr auch Eaton Vance Funds in Boston - der Fonds ist nicht gerade ein Big Player der Finanzwelt. Eaton Vance besaß Ende 2001 insgesamt 2,1 Millionen HP-Aktien. Fondsanalyst Brandy Brandon erhielt in den vergangenen Wochen reichlich Besuch: Carly Fiorina und ihr Finanzvorstand Robert Wayman, Compaqs Finanzvorstand Jeff Clarke sowie Walter Hewlett samt Entourage machten Brandon ihre Aufwartung. "Das", so Brandon, "ist eine Menge Aufmerksamkeit für ein Zehntelprozent der HP-Aktien."

Von Thomas Hillenbrand

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