Compaq-Chef Capellas: "Wir haben einen Plan B" - DER SPIEGEL
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Compaq-Chef Capellas "Wir haben einen Plan B"

Nachdem die Fusion von Compaq und Hewlett-Packard am Widerstand der HP-Gründerfamilien zu scheitern droht, redet Compaq-Chef Michael Capellas offen von Alternativen. Aus Sicht der Analysten wären die nicht die schlechteste Lösung.
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New York - "Natürlich haben wir einen Plan B", sagte Capellas in einer Rede auf der Internet World in New York. "Das ist nichts Neues." Der Compaq-Chef versuchte, die Aufregung über eine interne E-Mail herunterzuspielen, die am Morgen an die Öffentlichkeit geraten war. Darin hatte Capellas allen Mitarbeitern versichert, dass Compaq seine Ziele erreichen werde, "ob als Teil von HP oder allein".

Die E-Mail, die inzwischen auf der Compaq-Website zu finden ist, trägt das Datum 7. Dezember, der Tag, an dem die Packard Foundation sich gegen die 25-Milliarden-Dollar-Fusion der beiden Computerriesen ausgesprochen hatte. In der Mail hatte Capellas seinen Mitarbeitern versprochen, sie auf dem Laufenden zu halten, "während wir die Situation weiter analysieren". Er hatte sie daran erinnert, dass Compaq eine der stärksten Bilanzen in der Branche aufweise und dass man auch als unabhängiges Unternehmen zuversichtlich in die Zukunft schauen könne.

In seiner Rede auf der Internet World kommentierte Capellas das Leck ironisch: "Ich habe dieses angebliche Geheimpapier an 67.000 Mitarbeiter verschickt." Doch er weigerte sich, Fragen aus dem Publikum zu beantworten. Zur Fusion äußerte er sich nur mit wenigen Worten am Schluss seiner Präsentation: "Ich stehe absolut hinter der Fusion. Daran gibt es keinen Zweifel."

Dell die Stirn bieten

Der Eiertanz um die E-Mail zeigt, wie schwierig die Situation von Capellas ist. Auf der einen Seite muss er mit aller Macht die Elefantenhochzeit verteidigen, auf der anderen Seite darf er an sie nicht das Überleben von Compaq binden. Auf der Internet World wählte er einen neutralen Kurs. Er konzentrierte sich auf die langfristige Entwicklung der Computerbranche. "Diese Welt, in der Information überall ist, wird endlich wahr", sagte er. Compaq sei für diese Zukunft gut gerüstet, vom Supercomputer für wissenschaftliche Zwecke ("Wir sind ein klarer Leader") bis hin zum vernetzten Minicomputer iPaq.

Die Fusion hatten Capellas und Carly Fiorina, die Chefin von Hewlett-Packard (HP), vor allem mit den entstehenden Synergien begründet. Die Branche sei reif für Konsolidierung, hatten sie immer wieder betont. Im PC-Bereich könne man so Dell die Stirn bieten, im E-Business-Bereich IBM angreifen. Beide Chefs haben diese Überzeugung in den letzten Tagen bekräftigt.

Heißt das erste Opfer Fiorina?

Doch in den Augen der Analysten war die vorläufige Entscheidung der Packard Foundation vom vergangenen Freitag der Todesstoß. Die Stiftung hält zwar nur zehn Prozent der HP-Anteile, ihr psychologischer Einfluss auf die Anleger ist jedoch größer.

Inzwischen mehren sich die Stimmen, dass beide Firmen ebenso gut unabhängig bleiben könnten. Die Analysten befürchten, dass die Fusion HPs profitables Drucker-Geschäft an den Rand drängt. Der Aktienkurs von HP stieg nach der Ankündigung der Packard Foundation. Und auch auf Compaq-Seite ist Capellas nicht der Erste, der an die eigenen Stärken erinnert. Vergangene Woche hatte Compaq-Vizepräsident Michael Winkler bereits darauf hingewiesen, "dass Compaq auch ohne HP eine großartige Strategie hat".

Sollte die Fusion tatsächlich am Veto der Aktionäre scheitern, hieße das erste Opfer wahrscheinlich Carly Fiorina. Die dynamische HP-Chefin, die den Konzern umkrempeln wollte, ist das öffentliche Gesicht der Fusion. In einem am Montag veröffentlichten Gespräch mit der "New York Times" räumte sie indirekt ein, dass sie im Fall des Scheiterns wohl zurücktreten müsste: "Ein Veto würde eine Menge über den Verwaltungsrat und die Glaubwürdigkeit des Managements sagen."