IG Metall Trauerspiel mit Fortsetzung
Frankfurt am Main - Peters hatte sich am Dienstag erfolgreich gegen Rücktrittsforderungen gewehrt. Laut IG Metall wird es erst im September einen neuen Personalvorschlag für den Gewerkschaftstag im Herbst geben.
Die vom Vorstand im April beschlossene Tandem-Lösung mit Peters als neuem Gewerkschaftschef und dem als Reformer geltenden baden-württembergischen Bezirksleiter Berthold Huber als Zweitem Vorsitzenden ist mit dessen Rückzug von seiner Kandidatur gescheitert. Ein neuer Kandidat war zunächst nicht in Sicht. In Gewerkschaftskreisen wurde der Münchner BMW-Gesamtbetriebsratschef, Manfred Schoch, als Vorschlag gehandelt. Schochs Sprecher lehnte jeden Kommentar dazu ab.
Der Frankfurter Bezirksleiter Klaus Mehrens sagte, nach dem Rückzug Hubers werde es schwer, eine neue Führungsmannschaft aufzustellen. Auch der bayerische IG-Metall-Bezirksleiter Werner Neugebauer rechnet nicht mit einer baldigen Lösung. Die Hälfte des Vorstands glaube, Peters könne die Gewerkschaft wieder zusammenführen; die andere Hälfte glaube nicht daran. Das werde sich in den nächsten Tagen kaum ändern, sagte Neugebauer.
Auf der Marathonsitzung des Vorstandes hatte der im Oktober aus Altersgründen aus dem Amt scheidende IG-Metall-Chef Zwickel sogar seinen eigenen Rücktritt angeboten, um Peters zum Aufgeben zu bewegen. Auch der Vorschlag, dass der gesamte Vorstand zurücktritt und darauf ein außerordentlicher Gewerkschaftstag einberufen werde, fand keine Mehrheit. Zwickel hatte Peters bereits im Vorfeld für den gescheiterten Streik in Ostdeutschland verantwortlich gemacht und zum Rückzug aufgefordert.
Warte, warte noch ein Weilchen
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IG-Metall-Sprecher Claus Eilrich sagte im ZDF, der Vorstand werde rechtzeitig vor dem Gewerkschaftstag im Oktober einen sowohl personell als auch inhaltlich attraktiven Personalvorschlag machen. Die nächste Sitzung findet wegen der Urlaubszeit aber erst am 1. September statt. Eilrich ließ offen, ob Peters Bestandteil dieses Vorschlags sein werde oder nicht. Das habe der Vorstand zu entscheiden. Peters hatte am Dienstag seinen Führungsanspruch bekräftigt. Eilrich räumte ein, dass die IG Metall in eine schwierige Lage geraten sei.
Mit herber Kritik reagierte der Vorsitzende des Siemens-Gesamtbetriebsrats, Ralf Heckmann, auf die gescheiterte Vorstandssitzung und forderte einen außerordentlichen Gewerkschaftstag. "Im Betrieb kann ich auch nicht sagen, wenn es brennt: Tut mir Leid, jetzt kommen die Sommerferien", sagte Heckmann. Der Vorstand hätte hinter verschlossenen Türen eine Lösung suchen müssen, "wie bei der Papstwahl, bis weißer Rauch aufsteigt".
Bundesinnenminister Otto Schily hält Peters als IG-Metall-Chef für ungeeignet. Im ZDF sagte der SPD-Politiker, es sei "offenkundig geworden, dass diejenigen, die jetzt in diesen Streit verbissen sind, nicht mehr als Führungsfiguren geeignet sind". Die Zerstrittenheit in der Gewerkschaftsspitze sei ein Trauerspiel. Wirtschaftsminister Wolfgang Clement sagte in Berlin, er habe die "herzliche Hoffnung", dass es zu einer Lösung komme. "Wir sind ja auf starke, handlungsfähige Gewerkschaften angewiesen", sagte der SPD-Politiker.