Internet-Herrschaft AOL plant Riesenwurf in Japan
London - AOL und die Mobilfunktochter der japanischen Telefongesellschaft NTT, DoCoMo, haben laut Presseberichten eine weit reichende strategische Partnerschaft vereinbart. Das japanische Unternehmen werde rund 40 Prozent und damit die Kontrolle über AOL Japan übernehmen, schreiben "Wall Street Journal" und "Financial Times" unter Berufung auf Branchenkreise. Die beiden Unternehmen wollen die Entscheidung angeblich noch diese Woche bekannt geben. Sie gaben keinen Kommentar ab.
DoCoMo ist der Betreiber von I-mode, dem mit 12 Millionen Kunden größten mobilen Internetdienst der Welt. I-mode ist außerdem einer der am schnellsten wachsenden Provider: Im März 2001 soll bereits die 17-Millionen-Grenze erreicht sein. AOL ist mit 24 Millionen Kunden der größte Festnetz-Internetanbieter der Welt.
DoCoMo hofft, durch die Allianz mit dem Global Player AOL seine bisher auf Japan beschränkte Technologie weltweit durchzusetzen. Der Versuch, mit der Übernahme des Mobilfunkanbieters VoiceStream in den USA Fuß zu fassen, war gescheitert: Die Deutsche Telekom war den Japanern zuvor gekommen.
America Online will mit dem finanzstarken Partner seinem dahin vegetierenden japanischen Ableger neues Leben einhauchen. AOL Japan liegt bei den japanischen Internet-Anbietern mit 460.000 Kunden nur an zehnter Stelle. DoCoMo werde 120 Millionen Dollar in AOL Japan investieren und dürfe den Vorstandschef benennen, schreibt das "Wall Street Journal". Durch die Mischung von AOL- und I-mode-Angeboten soll der Abstand zum führenden Provider Nifty (2,3 Millionen Kunden) verkleinert werden. Nifty hatte kürzlich eine Partnerschaft mit T-Online vereinbart.