Internet-Memoiren Wahnsinn, Krieg und Romance
New York - Die Drinks, die Models, der coole Wasserfall hinter der Bar - wenn Stephan Paternot feiert, dann kommt keine Pink-Slip-Tristesse auf. Niemand im angesagten New Yorker Club Spa wäre an diesem Abend im August 2001 überrascht, wenn plötzlich der Prince-Song "Party like it's 1999" ertönte.
Anlass für die gute Laune ist das Comeback des inzwischen 28-jährigen Ex-CEOs der Online-Community theglobe.com. Der einstige Überflieger, der mit dem Börsengang seines Unternehmens im November 1998 den Internetaktien-Boom auslöste, stellt sein Erstlingswerk vor. "A Very Public Offering" handelt vom Aufstieg und Fall des New Yorker Start-ups, das zum Sinnbild der Internetbranche wurde. "Das Buch", sagt der Autor zu seinen Gästen aus der Silicon Alley, "soll die Erinnerung an unseren religiösen Kreuzzug für das Internet wach halten."
Vor allem ist es die Gelegenheit für den zuletzt viel geschmähten Paternot, sich ein Denkmal zu setzen. Vom ersten Satz an ist klar, dass es hier nicht um irgendeine langweilige Internetfirma geht. "Wenn ich darüber nachdenke, hätte ich vielleicht besorgt sein sollen, dass wir an einem Freitag dem 13. an die Börse gingen. Aber manchmal kommt jede Erkenntnis zu spät." So beginnt das große Drama.
Leben auf der Titelseite
An jenem Freitag schrieben die 24-jährigen Studienfreunde Paternot und Todd Krizelman Börsengeschichte: Ihre Aktie stieg von neun Dollar auf bis zu 97 Dollar, bevor sie bei 63,50 Dollar schloss. Ein Gewinn von 606 Prozent an einem Tag, das hatte es noch nie gegeben. Die beiden Youngster in Wollpullis stießen vor dem Nasdaq-Schirm mit Champagner an - live übertragen von den führenden Nachrichtensendern der Nation, CNBC und CNN.
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Danach brach der Damm: Zu Dutzenden schwemmten die Internet-Firmen an die Börse. Das Duo Paternot und Krizelman erschien auf mehr Titelseiten als Paternots blonde Model-Freundin Jennifer. "An jenem Tag wurde mir ein völlig neues Leben gegeben", schreibt Paternot.
Die beiden gut aussehenden Gründer spielten die Pressekarte besser als alle anderen Internethelden, gingen bereitwillig in jede Talkshow, sogar auf Tournee in Europa. Schnell wurden sie als Poster-Boys der Internet-Revolution herumgereicht. 1300 Erwähnungen pro Quartal zählte Paternot zu den besten Zeiten - und das war nur die nationale Presse.
Mit den Auftritten schufen sie den nötigen Verkehr auf ihrer Website, einem Netzwerk aus Chat-Räumen, persönlichen Homepages und Nachrichten. Zeitweise zählte die Seite, die 1994 in einem Studentenwohnheim an der Cornell University erdacht worden war, zu den meistbesuchten im Internet.
"Statt das Produkt klar zu definieren, vermarktete theglobe.com seine Gründer", kommentierte das inzwischen eingestellte Branchenblatt "Industry Standard" in einer Titelgeschichte im Sommer 1999. Paternot ist bis heute begeistert von dieser Marketingstrategie, in der Szene Guerrilla-Marketing genannt: "Das beste an der Presse war, dass sie nichts kostete."