IPO I: Der Rohrkrepierer der X-FAB-AG - DER SPIEGEL
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IPO I Der Rohrkrepierer der X-FAB-AG

Seit mehr als einem Jahr traute sich kein Unternehmen mehr an die Börse. Jetzt unternahm der Erfurter Halbleiterhersteller X-FAB einen derart dilettantischen Versuch, dass nur ein Rückzug in letzter Minute ein Desaster verhindern konnte.
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London/Erfurt - Die Entscheidung trafen X-FAB-Verantwortlichen am Mittwoch nach Ende der Zeichnungsfrist - zwei Tage vor dem geplanten Börsendebüt. Es blieb ihnen nichts anderes mehr übrig: Für die 11,5 Millionen Aktien, die zum Preis zwischen zehn und 14 Euro angeboten wurden, hatten sich nicht genug Interessenten gefunden.

Offiziell begründete die niederländische ING-Bank als Konsortialführer das Aus in London mit "sich verschlechternden Bedingungen an den Kapitalmärkten". Investoren seien zu einer vorsichtigeren Einschätzung kleinerer europäischer Technologiewerte übergegangen.

Aktionärsschützer sehen dagegen den Hauptgrund in der nach ihrer Meinung dilettantischen Vorbereitung der Transaktion durch Vorstand und Konsortialbanken. "Das Unternehmen hat nicht die Transparenz hergestellt, die für einen solch bahnbrechenden Börsengang nötig gewesen wäre", sagte die Sprecherin der Schutzgemeinschaft der Kleinaktionäre, Reinhild Keitel. Investoren hätten aus den schlechten Erfahrungen des Neuen Marktes gelernt. Negative Auswirkungen für weitere Börsenkandidaten, die wie die Wacker-Tochter Siltronic in den Startlöchern sitzen, befürchtet sie nicht. "Die Gründe für die Absage sind allein dem Unternehmen und den Emissionsbanken anzulasten", sagte Keitel.

Der erste Kandidat seit Herbst 2002 in Deutschland sollte quasi als Eisbrecher fungieren und nach dem Vertrauensverlust vieler Anleger in die Aktienmärkte eine möglichst perfekte Vorstellung geben. Diese Erwartung enttäuschten die Thüringer mit einem Fehlstart. Weil der gesetzlich vorgeschriebene Verkaufsprospekt für Aktien nicht rechtzeitig vorlag, musste der Zeichnungsbeginn einen Tag verschoben werden. "Das war der Kern allen Übels", heißt es in Erfurt.

Die Verzögerung hing damit zusammen, dass die Commerzbank nach Streit kurzfristig eine Begleitung des Börsengangs ablehnte. Fondsmanager hatten moniert, dass die X-FAB-Aktien angesichts des Unternehmensumsatzes von 112 Millionen Euro und Verlusten im Jahr 2003 zu teuer seien. Der belgischen Beteiligungsgesellschaft ELEX als Mehrheitsaktionär mit rund 90 Prozent wurde vorgeworfen, sie wolle mit dem Börsengang Kasse machen.

Die aus Teilen des DDR-Kombinats Mikroelektronik hervorgegangene X-FAB stellt im Kundenauftrag spezielle Schaltkreise für Autos, Handys oder Medizintechnik her. Das Unternehmen mit Fabriken in Erfurt, Großbritannien und den USA beschäftigt rund 1000 Mitarbeiter und gehört nach eigenen Angaben zu den weltweit zehn führenden Spezialisten auf diesem Gebiet. "Die Gesellschaft wird ihren Wachstumskurs durch die aus dem operativen Geschäft generierten Mittel fortsetzen", kündigte Vorstandschef Hans-Jürgen Straub nach dem gescheiterten Börsengang an.

Das Interesse von Anlegern richtet sich nun auf den Halbleiter- Zulieferer Siltronic, der am 26. März an der Börse starten will. Als weitere der geschätzten zehn bis 15 Börsenaspiranten in diesem Jahr gelten die Postbank, Autoteile Unger und der Geldautomatenhersteller Wincor Nixdorf.