IWF-Tagung Schöne Worte über Armut
Prag - Während die Redner im Saal zur Sicherung des Weltfriedens durch den verstärkten Kampf gegen Armut aufriefen, machte auf der Straße ein Teil der rund 7000 Demonstranten ihrem Protest gegen die Politik von Weltbank und Internationalem Währungsfonds (IWF) Luft. Die Polizei setzte Tränengas und Wasserwerfer ein, nachdem Randalierer Steine geworfen hatten. Es gab mehrere Verletzte und Festnahmen. Die Teilnehmer konnten den geschützten Bereich nicht verlassen.
Der tschechische Präsident Vaclav Havel forderte zu Beginn der Tagung eine Neubesinnung der Regierungen auf grundlegende Werte. Das sei noch wichtiger als wirtschaftliche Hilfe. In seiner sehr nachdenklichen Eröffnungsrede sagte Havel: "Die Kluft zwischen Arm und Reich vertieft sich, und während die Menschen an einem Ort vor Hunger sterben, gilt an einem anderen Ort Vergeudung fast als soziale Pflicht."
Weltbank-Präsident James Wolfensohn äußerte Verständnis für die Demonstranten. Er teile ihre Leidenschaft, die Armut zu bekämpfen. Es sei falsch, wenn die reichsten 20 Prozent der Weltbevölkerung über mehr als 80 Prozent des weltweiten Einkommens verfügten. Wolfensohn rief die Industriestaaten auf, die Entwicklungshilfe zu erhöhen und die Handelsbarrieren abzubauen.
Auch IWF-Exekutivdirektor Horst Köhler sagte, das dringendste Problem sei die Armut, die sich zu einer Bedrohung für die politische Stabilität in der Welt entwickelt habe. Er schloss sich Wolfensohns Forderungen an. Globalisierung heiße auch, den Menschen in den Entwicklungsländern Hilfe zur Selbsthilfe zu geben. Köhler kündigte an, gemeinsam mit Wolfensohn nach Afrika zu reisen, um ihr Engagement für den Kontinent zu zeigen.
Köhler begrüßte auch die Intervention der wichtigsten Notenbanken der Welt zu Gunsten des Euros. In Zukunft solle der IWF sich stärker an der Diskussion über die angemessene Regulierung und Überwachung der internationalen Finanzmärkte beteiligen.