Kirch-Krise Der Bieterwettstreit entfällt
Frankfurt am Main - Nach Angaben aus Branchenkreisen wollen Dresdner und HypoVereinsbank nun gemeinsam den 40-Prozent Anteil an Springer erwerben. Anschließend solle "ein Großteil" des Aktienpakets an die Börse gebracht werden. Im Prinzip seien sich Dresdner und HypoVereinsbank über das Vorgehen einig, hieß es. Auch über den Kaufpreis von rund 1,1 Milliarden Euro herrscht offenbar Einverständnis.
Die Bemühungen um eine Rettung der angeschlagenen KirchGruppe erreichen damit möglicherweise die Zielgerade. In mehreren Treffen wollen die involvierten Banken gemeinsam eine Lösung für die Mediengruppe finden. Die Deutsche Bank will nach eigenen Angaben nicht für das Springer-Aktienpaket mitbieten. Das wäre auch schwierig, da die Kredite an Kirch mit genau diesem Anteil an Springer besichert sind. Ein überraschendes Hilfesignal für Kirch kam von der Kölner Handelsgruppe REWE. Sie will sich möglicherweise an der Sanierung des Kirch-Konzerns beteiligen. "Wenn wir helfen können, werden wir das tun", sagte der Vorstandsvorsitzender Hans Reischl in Köln.
Der Gründer und langjährige Betreiber der Formel 1, Bernie Ecclestone, will die Rennsportserie von Kirch zurückkaufen. Bei Kirch und der Bayerischen Landesbank soll in den kommenden Tagen ein Angebot über 800 Millionen Euro eingehen, hieß es. Trennen will sich Kirch zumindest von Teilen der Nachrichtenagentur ddp und spricht bereits mit möglichen strategischen Partnern, darunter mit dem Frankfurter PR-Berater Moritz Hunzinger.
Unterdessen mehren sich die Forderungen an Kirch. So verlangt das US-Filmstudios Paramount rund 200 Millionen Dollar für Filmrechte. Medienberichten zufolge erwägt die Muttergesellschaft Viacom eine Klage gegen Kirch. Der australische Medienunternehmer Rupert Murdoch hat inzwischen erklärt, er werde sich endgültig aus Kirchs defizitärem Bezahlfernsehen Premiere zurückziehen. Er werde die vereinbarte Summe von 1,7 Milliarden Euro "mit allen möglichen Mitteln einfordern", ließ er mitteilen. Diese Verkaufsoption Murdochs könnte den Kirch-Konzern auch nach einer Lösung der momentanen Liquiditätsprobleme in die Zahlungsunfähigkeit treiben.