Konjunktur-Prognose Nur der Pessimismus boomt
Köln - Stagnierende Produktion, sinkende Umsätze, wahrscheinlich weitere Entlassungen: So sehen die vorsichtigen bis mutlosen Prognosen deutscher Wirtschaftsverbände aus. Das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) in Köln hat sie, wie jedes Jahr, in einer Umfrage unter den 44 Verbänden erhoben. Das Ergebnis: Die Stimmung ist so schlecht wie zuletzt zum Jahreswechsel 1992/93, zu Zeiten der letzten Rezession in Deutschland.
Zwölf der 44 Wirtschaftsverbände rechnen für 2002 mit stagnierenden Produktions- und Umsatzzahlen, 19 gar mit einem weiteren Rückgang, ermittelte das IW. Entsprechend düster sehen auch die Beschäftigungsprognosen und Investitionsabsichten aus.
Terror wirkt länger als gedacht
"Selbst die lange Zeit recht positiv gestimmten exportstarken Industriesparten schätzen die Geschäftsperspektiven für das kommende Jahr inzwischen eher ungünstig ein", fasst das IW zusammen. Die Folgen der Terroranschläge würden die Weltwirtschaft "offenbar länger beeinträchtigen als zunächst vermutet".
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Zur Jahresmitte 2002 könnte es nach Einschätzung des IW aber zu einem "zügigen Aufschwung kommen". Denn viele Beschaffungs- und Investitionsvorhaben seien lediglich aufgeschoben, nicht aufgehoben. Voraussetzung dafür sei allerdings, "dass sich das weltweite Wirtschaftsklima aufhellt". Außerdem müsse die anstehende Lohnrunde hier zu Lande "mit wachstums- und beschäftigungsfreundlichen Abschlüssen enden", schränkte das IW ein. Die Gewerkschaften IG Metall und Verdi freilich wollen die höchsten Lohnzuschläge seit Jahrzehnten durchsetzen.
Personalabbau unausweichlich
Nur zwölf der 44 befragten Verbände hoffen laut IW auf bessere Geschäfte als in diesem Jahr. "Damit überwiegt die Zahl der pessimistischen Wirtschaftszweige die der Optimisten um sieben", rechnete das IW vor. "Im vergangenen Jahr wurden noch 23 mehr positive als negative Meldungen verzeichnet". Die Dienstleistungssparten seien dabei deutlich zuversichtlicher als das Produzierende Gewerbe.
Angesichts der ungünstigen Konjunkturprognose fallen auch die Beschäftigungsprognosen düster aus: Statt wie vor einem Jahr 13 Verbände, halten es laut IW "nun 28 für unausweichlich, ihren Personalbestand zu reduzieren". Nur drei Branchen rechneten mit zusätzlichen Einstellungen - alle aus dem Dienstleistungsgewerbe.