Kriegsrallye: Dow geht durch die Decke - DER SPIEGEL
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Kriegsrallye Dow geht durch die Decke

An den Weltbörsen ist die lang ersehnte Kriegsrallye derzeit in vollem Gange. Die Nachricht vom Einmarsch amerikanischen Truppen in Bagdad ließ den Dow Jones Industrials zwischenzeitlich um mehr als 200 Punkte steigen, in Frankfurt gewinnt der Dax fast fünf Prozent.
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Frankfurt am Main/New York - An der Spitze des Dow lag der Aluminiumherstellers Alcoa  , der 9,13 Prozent fester notierte. Bei der Vorlage von Quartalszahlen hatte das Unternehmen am vergangenen Freitag eine überraschend deutliche Kostensenkung präsentiert. Um Sondereinflüsse bereinigt, übertraf der Konzern mit 23 Cent die Markterwartung um 4 Cent.

Besonders Fluggesellschaften profitierten von der Hoffnung auf ein rasches Kriegsende. Der Amex Airline Index legte um 7,12 Prozent auf 34,92 Punkte zu. AMR gewannen 11,39 Prozent auf 4,40 Dollar, Delta stiegen um 7,39 Prozent auf 10,76 Dollar. Die in New York vom Handel ausgesetzte Aktie des insolventen US-Luftverkehrskonzerns United Airlines hätte an anderen Handelsplätzen zudem davon profitiert, dass zwei Gewerkschaften hohe Gehaltszugeständnisse gemacht hätten.

Unter Druck zeigten sich einige Rüstungswerte. Der Kurs des US-amerikanischen Rüstungs- und Technologiekonzern Lockheed Martin sank um 1,5 Prozent auf 45,90 Dollar. Für Boeing   ging es hingegen um 3,85 Prozent auf 27,52 Dollar hinauf. Nach Ansicht von Standard & Poor's ist die Aktie stark unterbewertet.

Auslöser für den Stimmungsumschwung waren die Meldungen von US-Militärs, den wichtigsten Palast des irakischen Präsidenten Saddam Hussein unter ihrer Kontrolle zu haben. In einen weiteren Palast seien die Soldaten vorgedrungen. Zudem hieß es in Medienberichten, dass alliierte Panzer bis in das Zentrum der nahezu vollständig umzingelten Hauptstadt vorgedrungen seien.

Frankfurt deutlich im Plus

Der Dax   stabilisierte sich am Nachmittag knapp unter 2800 Punkten und lag damit rund 5,2 Prozent im Plus. Auch der TecDax   legte mehr als fünf Prozent auf 365 Zähler zu.

Einer der größten Gewinner im Dax war die Aktie von TUI  , die mit 10,87 Euro knapp dreizehn Prozent über dem Schlussstand vom Freitag notierte. "Angesichts der militärischen Erfolge der Alliierten rechnet der Markt zusehends mit einem schnellen Kriegsende", kommentierte Nils Becker von der WestLB Panmure am Morgen die Kursgewinne des Dax. Allianz   und Münchener Rück   legten elf beziehungsweise knapp zehn Prozent zu und setzten damit ihre Erholung fort.

Beide Werte hatten in der Vergangenheit überproportional abgegeben. "Mit einem stark steigenden Gesamtmarkt verbuchen die beiden Konzerne auf ihre Aktienbestände erhebliche Buchwerte, was den Druck zu weiteren hohen Abschreibungen ein wenig von den Unternehmen nimmt", erklärte Becker weiter.

3000 Punkte im Visier

Sollte der Irak-Krieg tatsächlich sein schnelles Ende finden, könnte der Dax durchaus auf 3000 bis 3300 Punkte ansteigen. Auf diesem Niveau hält er den Index auch für fair bewertet.

Der Börsianer vermutet, dass nach dem Kriegsende wieder sehr schnell die schwache wirtschaftliche Gesamtlage in den Fokus der Märkte rücken dürfte. Dann werde sich zeigen, ob nicht vor allem kurzfristig orientierte Anleger die Rallye gestützt haben. In diesem Fall könnte die Gewinne auch flugs wieder bröckeln.

Auch die Bankenwerte profitierten von dem Aufschwung an den Märkten. HypoVereinsbank -Aktien   legten um über sechs Prozent auf 8,35 Euro zu. Commerzbank-Titel   verteuerten sich um knapp sieben Prozent auf 7,22 Euro, Deutsche Bank stiegen   um knapp fünf Prozent auf 43,81 Euro.

Ölpreis fällt auf Fünf-Monatstief

Der Ölpreis reagierte deutlich auf die Kriegsnachrichten aus dem Irak. So fiel der Barrel-Preis erstmals seit Mitte November 2002 wieder unter die Marke von 24 Dollar. Ein 159-Liter-Fass der Nordseesorte Brent kostete in London 23,90 Dollar, über drei Prozent weniger als am Freitag.

Auch der Euro ist deutlich unter Druck geraten. Die europäische Gemeinschaftswährung fiel bis 9.36 Uhr auf 1,0586 Dollar und notierte damit 1,4 Prozent leichter als am Freitag. Zuletzt notierte der Euro am 21. März unter der Marke von 1,06 Dollar.