Krise bei IG Metall: Abrechnung in den Ferien - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Krise bei IG Metall Abrechnung in den Ferien

Massiver Druck der Gewerkschaftsbasis hat dazu geführt, dass die zerstrittene IG-Metall-Spitze wohl schon im Sommer einen außerordentlichen Gewerkschaftstag einberufen wird. Dann soll der festgefahrene Führungsstreit beendet werden. Der umstrittene IG-Metall-Vize Jürgen Peters bekräftigte seine Kandidatur für den Chefposten.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Hamburg - Peters sprach sich für ein Sondertreffen der Delegierten noch vor dem 1. September aus. "Der Druck von der Basis ist so groß, dass wir schnellst möglich eine außerordentliche Sitzung brauchen", sagte Peters der "Berliner Zeitung". Zugleich bekräftigte er seinen Führungsanspruch innerhalb der IG-Metall. "Ich werde in jedem Fall auf dem Gewerkschaftstag antreten."

Die geschäftsführenden Vorstandsmitglieder der Gewerkschaft treffen sich am Montag zu ihrer turnusmäßigen Sitzung in Frankfurt am Main. Ob das Thema "außerordentlicher Gewerkschaftstag" auf ihrer Tagesordnung steht, ist nach Angaben von ewerkschaftssprecher Claus Eilrich nicht bekannt.

Geschäftsführenden Vorstandsmitgliedern ist es jedoch möglich, den Gesamtvorstand zu einer außerordentlichen Sitzung zu laden, betonte er. Eilrich hatte bereits am Samstag ein Sonder-Treffen in den Sommerferien nicht mehr ausgeschlossen. "Urlaub hin oder her - da muss früher was passieren", sagte er. Nach dem Scheitern des Streiks zur Durchsetzung der 35-Stunden-Woche im Osten war an der Spitze der IG-Metall ein heftiger Streit über die Nachfolge von Gewerkschaftschef Klaus Zwickel ausgebrochen.

Die IG Metall Bayern hatte bereits ein Sondertreffen des Gesamtvorstandes gefordert. Auf diesem Treffen sollte es um die Einberufung eines außerordentlichen Gewerkschaftstages gehen, und es sollte möglicherweise über den Rücktritt des kompletten Vorstands entschieden werden.

Der Chef des DaimlerChrysler-Betriebsrates, Erich Klemm, erneuerte in der "Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung" seine Forderung: "Der Vorstand ist nicht mehr handlungsfähig, so kann es nicht weitergehen." Auch er verlangte schnellst mögliche Neuwahlen auf einem vorgezogenen Gewerkschaftstag. Die Macht, die Vorsitzenden abzusetzen, hätte ein vorgezogener Gewerkschaftstag allerdings nicht, schreibt die Zeitung. Niemand könne Zwickel und seinen Vize Peters, deren Amtszeit offiziell im Oktober endet, zu einem Rücktritt zwingen. Bisher war geplant, dass bei einem ordentlichen Gewerkschaftstag im Oktober der Nachfolger des IG-Metall-Chefs Zwickel gewählt wird.

Ein außerordentlicher Gewerkschaftstag muss vom Vorstand einberufen werden, wenn dies der Beirat beschließt, oder wenn dies Verwaltungsstellen beantragen, die zusammen mehr als zwei Drittel der Mitglieder umfassen. Der Beirat ist das höchste Organ zwischen den Gewerkschaftstagen. Die 170 Verwaltungsstellen sind quasi die Ortsverbände der IG Metall. Die dritte Möglichkeit ist, dass der Vorstand den außerordentlichen Gewerkschaftstag einberuft.

Der baden-württembergische IG-Metall-Bezirksleiter Berthold Huber schrieb laut der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" einen Brief an die Gewerkschaftsmitglieder in Baden-Württemberg. Darin soll es heißen: "Das Ringen um die richtigen Positionen und Personen" sei ein "dringend notwendiger Prozess". Der als Reformer geltende Huber hatte sich seit seinem Verzicht auf den Vize-Posten nicht mehr öffentlich zu Wort gemeldet. Er wurde nun wieder als Kandidat für ein Spitzenamt ins Gespräch gebracht.

Auch Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) rief die IG Metall zu einer raschen Beilegung des Konflikts auf. Wolfgang Wiegard, Chef des Sachverständigenrates zur Begutachtung des gesamtwirtschaftlichen Entwicklung sagte der "Welt am Sonntag", die Gewerkschaften stünden zur Zeit mit dem Rücken zur Wand. "Der Einfluss der Gewerkschaften wird weiter abnehmen, wenn sie sich den erforderlichen Reformen noch länger in den Weg stellen", so Wiegard.

Michael Rogowski, Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI) forderte die IG Metall auf, die Lösung ihrer Führungsdebatte nicht zu überstürzen. "Die IG Metall muss die Debatte so lange fortführen, bis sie sich intern gefunden hat. Zukleistern hat keinen Sinn, das Problem muss gelöst werden - sachlich und personell."