Krisen-Reederei: Hapag-Lloyd will Staatshilfe beantragen - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Krisen-Reederei Hapag-Lloyd will Staatshilfe beantragen

Rettung per Notverkauf und Steuergeld: Die angeschlagene Reederei Hapag-Lloyd hat durch den Verkauf von Anteilen dringend benötigte Finanzmittel in Höhe von rund 300 Millionen Euro eingenommen - den Rest soll jetzt der Staat beisteuern.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Hamburg - Die Großreederei Hapag-Lloyd ist in schwere See geraten - jetzt soll sie der Staat retten. Die Gesellschafter seien sich einig, in den nächsten Wochen die bereits angekündigten Kapital- und Finanzierungsmaßnahmen zur langfristigen Unterstützung der Reederei zu vereinbaren, teilte Großaktionär TUI mit: "Diese bilden die Grundlage für die Beantragung von Staatsbürgschaften."

Hapag-Lloyd-Schiff "Bremen Express": Notverkauf und Staatshilfen

Hapag-Lloyd-Schiff "Bremen Express": Notverkauf und Staatshilfen

Foto: ddp

Die Großreederei hat sich zudem mit einem Anteilsverkauf Luft verschafft: Für 315 Millionen Euro übernehmen mehrere Eigner den 25,1-Prozent-Anteil der Reederei am Container-Terminal Altenwerder (CTA) in Hamburg.

Außerdem gibt es einen Kredit über 15 Millionen Euro, wie die Gesellschafter am Dienstag mitteilten. Hapag-Lloyd kann den Anteil zurückkaufen, wenn es der Reederei wieder bessergeht. Allerdings beteiligen sich nicht alle Eigentümer der Reederei an dem Rettungsgeschäft. Aufseiten des Konsortiums "Albert Ballin" beteiligen sich die Stadt Hamburg und die Signal Iduna Versicherung. Andere Mitglieder ziehen nicht mit, etwa Transportunternehmer Klaus-Michael Kühne. Für sie springt der Miteigentümer TUI zusätzlich ein und zahlt insgesamt 215 Millionen Euro.

Die Rettungsaktion ist damit allerdings noch nicht abgeschlossen. Weitere Kapitalmaßnahmen könnten nun aber "sorgfältig geprüft und umgesetzt werden", hieß es. Nach Pressemeldungen braucht Hapag-Lloyd bis zu 1,75 Milliarden Euro frisches Kapital. Das Unternehmen hatte im ersten Quartal 222 Millionen Euro Verlust eingefahren. Seitdem hat sich die Marktlage nicht durchgreifend verbessert. Der Hapag-Lloyd-Vorstand hat bereits ein Sparprogramm eingeleitet. 2008 fuhr die Reederei noch einen Gewinn von 211 Millionen Euro ein.

Hapag-Lloyd ist die nach Kapazität fünftgrößte Reederei der Welt in der Containerschifffahrt. Das Unternehmen, das rund 7200 Mitarbeiter beschäftigt, hat die Folgen der Konjunkturflaute massiv zu spüren bekommen. Das Unternehmen gehört zu 43 Prozent dem TUI-Konzern, den Rest teilt sich die Investorengruppe "Albert Ballin", zu der Transportunternehmer Kühne, die Stadt Hamburg, die Privatbank M.M. Warburg, die Hanse Merkur, die Signal Iduna und die HSH Nordbank zählen.

beb/Reuters/AP

Mehr lesen über