MANAGER-SCHULEN Leicht lädiert
Der Beruf des Managers stellt so hohe Anforderungen«, philosophierte noch im September 1964 Dr. Götz Hohenstein, damals gerade vorzeitig gekündigter Generaldirektor der Düsseldorfer AHI-Bau-AG, »daß er weder durch das zeitweilige Beobachten oder Assistieren der Tätigkeit eines Managers noch durch die gelegentliche Teilnahme an einem Lehrgang zu erlernen ist.«
Drei Jahre später meinte Hohenstein -- er hatte gerade seine Böblinger Firma, die Merho-Schalungsbau GmbH, in die Pleite gesteuert -- genug vom Beruf des Managers zu verstehen. Er beschloß, fortan selbst Manager auszubilden -- mit Hilfe von Kurzlehrgängen.
Nach einem kurzen Gastspiel als freier Mitarbeiter bei der Heidelberger Arbeitsgemeinschaft für wirtschaftliche Betriebsführung und soziale Betriebsgestaltung (ASB-Geschäftsführer Gerhard Hohne: »Wir übernahmen ihn damals billig aus der Konkursmasse") gründete Hohenstein in Dilsberg am Neckar eine Managerschule. In fashionablen Hotels in und um Heidelberg veranstaltete er sodann unter dem anspruchsvollen Namen »Management Institut Heidelberg« Schnellkurse für Manager und solche, die sich dafür hielten.
Zu den Referenten seines Instituts zählten so prominente Männer wie Ex-Bundeskanzler Ludwig Erhard, Bundeswehrgeneral a. D. Wolf Graf von Baudissin und der Welt bekanntester Sternendeuter, der amerikanische Futurologe Hermann Kahn. Aber auch auf den Teilnehmerlisten seiner Seminare (Gebühr für einen Kurz-Kurs: 390 bis 780 Mark) standen klangvolle Namen. Etwa: Konrad Henkel, Waschmittelfabrikant in Düsseldorf, Philip Rosenthal, Porzellanfabrikant in Selb, oder Hannsheinz Porst, Photohändler in Nürnberg.
Vergangenen Monat wurde der Ruf des »aktiven Mannes« (so einst das »Handelsblatt") durch ein 23,2 mal 9 Zentimeter großes Inserat in der »Frankfurter Allgemeinen Zeitung« leicht lädiert:
»Im Namen des Volkes«, verkündete darin der 6. Zivilsenat des Oberlandesgerichts Karlsruhe, werde Dr. Hohenstein verboten, künftig »Schulungs und Informationsveranstaltungen für Manager unter der Geschäftsbezeichnung 'Management Institut' und unter der Angabe 'Heidelberg' als Absende- oder Tagungsort anzukündigen und/oder durchzuführen«. Die Kosten der Annonce (2340,83 Mark) hatte der Verurteilte laut Gerichtsbeschluß selbst tragen müssen.
Angestrengt hatte den Prozeß Hohensteins ehemaliger Arbeitgeber, ASB-Geschäftsführer Gerhard Höhne. Der Chef der gemeinnützigen Arbeitsgemeinschaft für wirtschaftliche Betriebsführung und soziale Betriebsgestaltung hatte es seinem einstigen Mitarbeiter verübelt, daß dieser »in unlauterer Absicht« (Höhne) mit dem Namen »Management Institut Heidelberg« Teilnehmer an früheren ASB-Seminaren (Markenbezeichnung: »Management Seminare Heidelberg") abgeworben und überdies die ASB in Mißkredit gebracht habe.
Schon vorher hatte sich ASB-Chef Höhne durch den selbsternannten Manager-Lehrer (Höhne: »Er sah aus und benahm sich genauso wie ein Manager und war deshalb für mich zeitweilig von Nutzen") düpiert gefühlt. Bevor nämlich Hohenstein sein eigenes Management Institut gründete, hatte er sich mit Adressenmaterial aus der ASB-Kartei -- für eine Managerschule unverzichtbares Betriebskapital wie bares Geld -versorgt.
im Urteil des Arbeitsgerichts Heidelberg (Aktenzeichen: 1 Ca 396/68) las sich das später so: »Es bestand (für die ASB) der dringende Verdacht, daß (Hohenstein) das Adressenmaterial (der ASB) für eigene Zwecke benutzt hat, zumal es sich vielfach um Adressen handelte, die nicht in einem Adressenverzeichnis der deutschen Wirtschaft zu finden waren« Und weiter: Es »war auffallend, daß (Hohenstein) bei seinen eigenen Seminaren ebenso falsche Adressen verwendet hat wie (die ASB)«.
Götz Hohenstein, der sein Institut inzwischen in eine »Gesellschaft für industrielle Schulung mbH« umfirmiert hat, vermag in alldem »nur einen Konkurrenzkampf vor den Schranken des Gerichts« zu erblicken, »den die ASB gegen mich führt«. Ihn ficht es auch wenig an, daß ihn inzwischen einige seiner besten Referenten verlassen haben, darunter der renommierte Unternehmensforscher Dr. Alec Mackenzie vom New Yorker Institute for Leadership (der jetzt bei der ASB unter Vertrag steht).
Und die Tatsache, daß Hohenstein sein Umsatzziel für das laufende Geschäftsjahr von zwei Millionen Mark auf 1,8 Millionen Mark korrigieren mußte, erklärt er nicht mit aufkeimenden Zweifeln deutscher Manager an seiner Institutsarbeit, sondern mit der »allgemeinen Abneigung der Firmen in der Bundesrepublik«, in der gegenwärtigen Konjunkturphase ebensoviel für Managerschulung auszugeben wie bisher.
Dennoch wies der Ex-Bauunternehmer vergangene Woche seinen Rechtsanwalt an, beim Heidelberger Registergericht einen Antrag auf Auflösung der ASB zu stellen. Grund: Die ASB sei kein gemeinnütziger Verein. sondern in Wahrheit »lediglich eine Privatpfründe des Herrn Höhne«.
»Entscheidend für das Verhalten ehrgeiziger und entschlossener Männer«. hatte Hohenstein kürzlich in seinem Buch »Management-Perspektiven der 70er Jahre« geschrieben, »ist nicht die Furcht vor dem Gesetz ... sondern der Wunsch, von ihren Standes- und Berufsgenossen geachtet und geschätzt zu werden.«