Leitzinsen erhöht EZB überrumpelt Händler
Frankfurt am Main - Die Währungshüter haben bei ihrer Ratssitzung alle drei Leitzinsen um 0,25 Prozent angehoben. Der zentrale Zins zur Beschaffung von Zentralbankgeld stieg damit auf 4,75 Prozent. Der Spitzenrefinanzierungssatz liegt nun bei 5,75 Prozent. Für Einlagen der Kreditwirtschaft bei der EZB über Nacht zahlt die Notenbank 3,75 Prozent.
"Die heutige Entscheidung zielt weiter darauf ab, dass der Aufwärtsdruck auf die Verbraucherpreise, der von den Ölpreisen und dem Wechselkurs des Euro herrührt, sich nicht in anhaltende inflationäre Tendenzen umwandelt", sagte EZB-Präsident Duisenberg zur Begründung.
Es sei wichtig, dem Inflationsrisiko angemessen zu begegnen, um ein kontinuierliches Wachstum der Wirtschaft und der Beschäftigung auf mittlere Sicht zu gewährleisten. "Die Möglichkeit kann nicht ausgeschlossen werden, dass ein Anstieg der Ölpreise als solcher vorübergehend kurzfristig die Wachstumsdynamik dämpfen kann", sagte Duisenberg. Die Kräfte des zugrundeliegenden robusten Wachstums blieben mittelfristig jedoch bestehen.
Einen direkten Zusammenhang zwischen der Intervention im September und dem Zinsschritt gebe es nicht, betonte der oberste Währungshüter. Analysten jedoch werteten die Entscheidung als Nachbeben der Intervention. Zunächst half die Zinserhöhung dem Euro nicht: Der Kurs verbesserte sich zwar leicht auf 0,8781 Dollar, fiel dann aber wieder auf das Niveau vor der Zinserhöhung von 0,874 Dollar zurück.
Börsenhändler in Frankfurt reagierten verärgert: Von "extrem überraschend" bis "Konjunkturkiller" lauteten die ersten Kommentare. Als positiv werteten einige nur den leicht gestiegenen Euro, der es den amerikanischen Exportfirmen wieder etwas leichter machen könne und somit den US-Aktien-Markt beflügeln dürfte. Ansonsten sahen Händler aber in dem Zinsschritt eine Bremse für die deutschen Aktienmärkte.