Liefer-Boykott Bauern wollen Streik-Milch spenden
Berlin - Der Bundesverband deutscher Milchviehhalter (BDM) prüft, ob die Milch, die wegen des Streiks der Milchbauern derzeit nicht in den Handel gelangt, gespendet werden kann. "Wir klären das zurzeit", sagte der stellvertretende Vorsitzende Stefan Mann SPIEGEL ONLINE.
Im Fernsehen und in den Zeitungen sind seit Beginn des Streiks Bilder zu sehen, wie einzelne Milchbauern das Lebensmittel in Gullis schütten. "Die Emotionen kochen hoch", sagte Mann dazu. "Hier geht es um die Existenz der Bauern."
Trotzdem sei solches Verhalten nicht zu rechtfertigen. "Das ist nicht der Sinn der Übung", sagte der Funktionär. In internen Schreiben habe der Verband seine Mitglieder darauf hingewiesen, dass Milch keinesfalls in die öffentliche Kanalisation gehöre.
Mann zufolge prüfen derzeit Rechtsanwälte im Auftrag des Verbandes, ob und wie das Lebensmittel wohltätigen Zwecken zugeführt werden kann. Die Mitglieder des BDM sind für knapp die Hälfte der deutschen Milchproduktion verantwortlich. Da die Kühe trotz des Streiks gemolken werden müssen, fallen täglich große Überschussmengen an.
Es gebe unter anderem rechtliche und hygienische Fragen zu klären, erläuterte Mann im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE. Außerdem brauche der Verband "definitive Zusagen". So müsse beispielsweise sichergestellt werden, dass die Milch nicht auf Umwegen doch in den Handel gelange, "und dann gegen uns eingesetzt wird".
Nach Angaben Manns erzeugen die Mitglieder des BDM täglich rund 35.000 Tonnen Milch. Insgesamt würden in Deutschland täglich etwa 75.000 Tonnen Milch hergestellt. Allerdings, sagt Mann, solidarisierten sich auch Nicht-Mitglieder mit dem Verband.