Mercedes-Krise Was wird aus dem Smart?
Stuttgart - Wachsende Verluste bei Smart hätten zu der Verschlechterung der Zahlen von Mercedes-Benz maßgeblich beigetragen, erläuterte Finanzvorstand Manfred Gentz am Donnerstag angesichts eines um 62 Prozent auf 304 Millionen Euro gesunkenen operativen Gewinns der Sparte. Die Behebung von Qualitätsproblemen, die Verschiebung von Neuanläufen und Rückrufaktionen bei der Marke Mercedes hätten das Ergebnis zusätzlich belastet.
"Jetzt müssen wir uns im Vorstand überlegen, was wir mit dem Smart-Geschäft machen und wie wir es profitabel machen können. Dabei müssen wir alle Alternativen in Betracht ziehen", sagte Gentz. Das gesamte Marktsegment sei unter starkem Druck und sei in diesem Jahr stark zurückgegangen, sagte er weiter. "Die finanzielle Situation ist enttäuschend". Eigentlich sollte 2004 den Durchbruch für Smart bringen. Inzwischen peilt DaimlerChrysler erst für das Jahr 2006 ein ausgeglichenes Ergebnis für Smart an. Die Kleinstwagensparte schreibt seit ihrer Gründung rote Zahlen.
Der Autokonzern hat Gerüchten über eine Schließung oder den Verkauf der defizitären Kleinwagenmarke allerdings eine Absage erteilt. "Wir prüfen derzeit alle Optionen. Das könnte zum Beispiel ein neuer Businessplan sein. Eine Schließung ist aber ausgeschlossen", sagte ein Konzernsprecher am Donnerstag auf Anfrage.
Branchenbeobachter gehen davon aus, dass sich die Situation für smart verschlechtert hat, seitdem DaimlerChrysler sich beim japanischen Autobauer Mitsubishi Motors zurückgezogen hat. Der viersitzige Smart Forfour wird auf einer gemeinsamen Plattform mit dem Mitsubishi Colt im niederländischen NedCar-Werk produziert. Ob es über den viersitzigen Smart hinaus weitere gemeinsame Projekte von Smart und Mitsubishi Motors geben wird, ist nach Ansicht von Beobachtern unsicher.
Smart hatte im September erklärt, dass vor allem wegen des eingebrochenen Absatzes des Roadsters das für 2004 angepeilte Absatzziel von 170.000 auf 160.000 Autos reduziert werden musste. Außerdem belasten hohe Marketingkosten im stark umkämpften Kleinwagensegment die Smart-Erträge erheblich.
Der Betriebsgewinn im Gesamtkonzern war in den Monaten Juli bis September um sieben Prozent auf 1,33 Milliarden Euro gestiegen und lag damit unter den Erwartungen der meisten Analysten. Der Konzern hält an seinem Ziel fest, das Betriebsergebnis in diesem Jahr deutlich über die 2003 erwirtschafteten 5,1 Milliarden Euro hinaus zu steigern. Fünf Milliarden Euro hat der fünftgrößte Autobauer der Welt nach neun Monaten schon verdient.