Milliarden-Offerte: BEA lässt Oracle abblitzen - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Milliarden-Offerte BEA lässt Oracle abblitzen

Der US-Softwarekonzern BEA Systems hat die milliardenschwere Offerte des Konkurrenten Oracle abgelehnt. Damit hat er den SAP-Konkurrenten ein weiteres Mal abblitzen lassen - obwohl das Unternehmen unter Druck steht.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

New York - Noch gibt sich das Unternehmen kämpferisch: BEA sei deutlich mehr wert, erklärte Vizepräsident William Klein in einem Brief an Oracle - und lehnte das Angebot des Softwareriesen dankend ab. Nur vier Tage nach dem milliardenschweren SAP-Angebot für die französische Business Objects hatte Oracle ein Angebot über rund 6,66 Milliarden Dollar (4,69 Milliarden Euro) für BEA Systems vorgelegt. Dem BEA-Systems-Vorstand seien 17 Dollar je Aktie angeboten worden, hieß es.

"Wir glauben, unser Angebot bietet den besten Wert für die BEA-Systems-Aktionäre und die beste Heimat für die BEA-Mitarbeiter und Kunden", hatte Oracle am Freitag erklärte. Die Offerte entspreche einem Aufschlag auf den Schlusskurs der BEA-Aktie vom Donnerstag von 25 Prozent. Nach der Absage von BEA Systems sagte Oracle-Präsident Charles Phillips, er habe Klein kontaktiert, um möglicherweise schon bis Montag eine Vereinbarung zu erzielen. BEA habe ein geplantes Treffen jedoch abgesagt. Phillips bekräftigte dennoch das Angebot von 17 Dollar pro Aktie.

In den letzten drei Jahren hatte Oracle unter Führung von Vorstandschef Larry Ellison über 30 Konkurrenzunternehmen geschluckt und dafür insgesamt 25 Milliarden Dollar ausgegeben. Oracle   wirbt schon länger um BEA  , war aber immer wieder abgeblitzt. Die Situation könnte sich jetzt ändern, da Milliardär Carl Icahn mit 13,2 Prozent bei dem Unternehmen eingestiegen ist und auf einen Verkauf dringt.

Quartalsberichte verzögern sich

Zudem steht BEA auch von anderer Seite unter Druck. Das Unternehmen hatte die Fristen für die Veröffentlichung von Quartalsberichten wegen Problemen bei der Einbeziehung vergangener Aktienoptionsprogramme in die Bilanz nicht einhalten können. Der Kurs der an der Technologiebörse Nasdaq notierten Aktie war daraufhin unter Druck geraten, ein Verbleib an der Börse erschien sogar gefährdet.

BEA bietet Unternehmenssoftware an, und zwar sogenannte Middleware. Darunter versteht man die Integration von Schnittstellen und Komponenten unterschiedlicher Anwendungen, damit sie miteinander kommunizieren können.

Anfang der Woche hatte Europas größtes Softwareunternehmen SAP   die Übernahme des französischen Spezialisten für Analysesoftware Business Objects für 4,8 Milliarden Euro angekündigt. Mit der größten Übernahme in der Firmengeschichte änderte SAP seine bisherige Strategie. Bislang setzte der Konzern im Gegensatz zu Oracle vor allem auf kleinere Übernahmen und Wachstum aus eigener Kraft.

sam/AP