MobilCom Der Pakt mit dem Freibeuter
Hamburg - Der Vorstandschef und Mehrheitsaktionär des Mobilfunk-Unternehmens MobilCom, Gerhard Schmid, wappnet sich mit neuen Großinvestoren gegen eine mögliche Übernahme durch France Télécom. Neben einem Investor, der fünf Prozent der MobilCom-Aktien halte, hat der New Yorker Investor Guy Wyser-Pratte 1,1 Prozent an MobilCom erworben.
"Wir glauben, dass die MobilCom-Aktie bedeutendes Potenzial nach oben hat, und wollen verhindern, dass die Kleinaktionäre des Unternehmens ein Übernahmeangebot auf dem derzeitigen niedrigen Kursniveau akzeptieren müssen", sagte Wyser-Pratte der Zeitung.
Wyser-Pratte geht es bei seinen Unternehmensbeteiligungen nach eigenem Bekenntnis um mehr Shareholder-Value sowie eine effektive Kontrolle des Managements. Skeptiker ordnen den amerikanischen Ex-Marinesoldaten eher bei den "Corporate Raiders" ein. Diese suchen sich unterbewertete Firmen und kaufen sich ein. Später verkaufen Raider dann die einzelnen Teile des Unternehmens zu einem höheren Preis. Ob sich Schmid mit Wyser-Pratte einen loyalen Verbündeten ins Haus geholt hat, darf bezweifelt werden.
Franzosen haben Kaufoption für Schmids Anteile
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Hintergrund der Investorensuche ist der anhaltend niedrige Aktienkurs des im Nemax-50-Index gelisteten Unternehmens. Der Titel hatte mit 199 Euro im März 2000 sein Hoch erreicht. Am Montag schloss die Aktie bei 25 Euro. Damit ist das Unternehmen an der Börse rund 1,2 Milliarden Euro wert. Als France Télécom vor 20 Monaten bei den Büdelsdorfern eingestiegen war, habe MobilCom noch einen Börsenwert von 7,7 Milliarden Euro gehabt. Dem französischen Telekommunikationskonzern gehören derzeit 28,5 Prozent der MobilCom-Aktien.
Um France Télécom daran zu hindern, große Aktienpakete zu diesem niedrigen Kurs zu kaufen, wolle MobilCom-Chef Schmid mit der Hilfe von Investoren offenbar selbst auf die Mehrheit der Anteile kommen, berichtet die "Financial Times Deutschland" (FTD). Schmid halte bisher 42 Prozent und sei damit größter Aktionär von MobilCom.
France Télécom habe von November 2003 an die Option, die Anteile des Vorstandsvorsitzenden Gerhard Schmid zu erwerben - vorausgesetzt, man einige sich auf einen Preis, sagte ein MobilCom-Sprecher.
Bereits in der Woche zuvor sei ein weiterer Investor mit fünf Prozent eingestiegen. "Ich plane, mich mit diesem Investor in Kontakt zu setzen, da ich glaube, dass er ähnliche Ziele verfolgt", sagte Wyser-Pratte. France Télécom wollte die Gerüchte von Aktienaufkäufen nicht kommentieren.
Guy Wyser-Pratte, Chef und Gründer der New Yorker Investment-Beratungsfirma Wyser-Pratte, hatte bereits in den vergangenen Monaten in Deutschland Schlagzeilen gemacht, als er als Minderheitsaktionär bei dem Rüstungshersteller Rheinmetall einstieg und den Mehrheitsaktionär, die Familie Röchling, zu einem Kurswechsel drängte. Vor zwei Wochen hatte Wyser-Pratte seinen Rheinmetall-Anteil überraschend an die Röchling-Familie verkauft, nicht ohne seine Investition nach Angaben der "FTD" mehr als zu verdoppeln.