Mobiles Marketing: Rabattstreifen per SMS - DER SPIEGEL
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Mobiles Marketing Rabattstreifen per SMS

Die ideale Werbekampagne ist billig, erreicht die richtige Zielgruppe und ihr Erfolg ist genau messbar. Diesem Traum kommen Werbefachleute mit mobilem Marketing per SMS inzwischen ziemlich nahe.
Von Daniel Sokolov
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Wien - Werbung per SMS ist das Spezialgebiet der Brüder Roland und Gerald Tauchner und ihrer Firma Direct Mobile Communications (Dimoco). "Das Mobiltelefon ist heute ein ständiger Begleiter. Für Unternehmen bieten sich dadurch völlig neue Wege der Kundenansprache", erzählt Gerald Tauchner. "Wesentlich dabei ist der Spaßfaktor für den Kunden." Daher arbeitet Dimoco ausschließlich nach dem Prinzip des so genannte permission based marketing: Der Empfänger muss der Kontaktaufnahme zugestimmt haben. "Nur dann ist der langfristige Erfolg gewährleistet", so der Werbeexperte. Das Modell scheint zu funktionieren. Auf Dimocos Kundenliste finden sich so prominente Namen wie Nokia  , Nestlé   und Porsche  .

Essig mit SMS

Unter den zahlreichen Beispielen für erfolgreiche Kampagnen finden sich einfache Gewinnspiele, bei denen die Kurznachricht die klassische Postkarte ersetzt, aber auch deutlich komplexere Games. "Für Club Nokia haben wir SMS mit einem Wap-Link an die Mitglieder geschickt. Über diesen Link konnte ein kurzes Video heruntergeladen werden, wo man einen gewagten Wasserski-Sprung sieht. Der Film stoppte mittendrin und ließ die Zuseher raten, ob der Sportler den Sprung steht oder ob er umfällt. Jeder Dritte hat mit mittels SMS geantwortet." 33 Prozent Antwortrate sind der Traum jeder Marketingabteilung, selbst bei persönlich adressierten Briefen sind bloß einstellige Prozentzahlen üblich. Mobile Marketing kommt also deutlich besser an. "Wer richtig geraten hatte, konnte etwas gewinnen", so der Dimoco-Manager, Alles wurde übers Handy abgewickelt, zum Bruchteil der Kosten einer Aussendung per Post.

Tauchner glaubt, dass man mit SMS den Kunden auch langfristig bei der Stange halten kann. "Die nachhaltige Attraktivität von Mobile Marketing hängt davon ab, wie genau man auf die Zielgruppe zugeht", betont Tauchner, "Solange die Konsumenten Spaß bei der Sache haben, machen sie auch mit." Zum Senden von SMS könnten keineswegs nur Jugendliche animiert werden: "Eine Firma hat über uns ein Gewinnspiel zum 75jährigen Jubiläum ihrer Essigmarke abgewickelt. Wir waren sehr skeptisch, aber unser Kunde glaubte fest an einen Erfolg", so der Werber, "Die SMS-Nummer wurde ausschließlich auf den Essigflaschen selbst beworben." In vier Monaten haben über 30.000 verschiedene Kunden geantwortet.

Teil zwei: Handys kitten den Medienbruch

Dieses Phänomen erklären Medienexperten mit dem so genannte Medienbruch, den nur das Mobiltelefon kitten könne. Eine Zeitungsannonce kann etwa eine Internet-Adresse bewerben, oder ein Fernsehspot eine Telefonnummer. Auf diese Verweise kann der Konsument jedoch nur reagieren, wenn er zunächst seinen Computer anschaltet oder zum Telefon geht. Beim Handy ist die Hürde zur Kontaktaufnahme niedriger. Bei Gewinnspielen kann der Handy-Teilnehmer zudem sofort erfahren, ob er gewonnen hat, während bei Postkarten bis zum Einsendeschluss meist Monate vergehen. Teilweise wickeln Firmen ihre Gewinnspiele auch über so genannte Mehrwert-SMS ab. Dann blecht der Spieler sogar für den Versand der Rückantworten. "Wenn aber nicht jeder Teilnehmer eine Gegenleistung erhält, raten wir davon ab. Bei reinen Gewinnspielen kommt das bei Konsumenten selten gut an ", so Tauchner.

Und weil nicht jeder den Hauptpreis gewinnen kann, lassen sich Marketingstrategen auch werbewirksame Trostpreise einfallen: Immer öfter werden Klingeltöne mit der Werbemelodie des Unternehmens oder Handy-Bildschirmschoner mit einem Logo gratis angeboten: "Besonders erfolgreich sind so genannte On-Pack-Kampagnen", berichtet Andreas Wiesmüller, Marketing-Chef der in Wien und New York ansässigen Firma 3United Mobile Solutions, "am Produkt selbst wird ein Code aufgedruckt, der per SMS gegen einen Gewinn oder ein Goodie eingetauscht werden kann." Für verschiedene deutsche Lebensmittelhersteller hat 3united Kampagnen mit einigen hundert Millionen bedruckten Verpackungen umgesetzt.

Gutscheine und Kooperationen sind die Zukunft

Für Wiesmüller liegt die Zukunft im so genannten Mobile Piggyback Marketing - zu deutsch etwa. Huckepack-Werbung. "Ein berühmtes Beispiel war die Kooperation von Pepsi und Apple in den USA. Auf den Flaschen waren Codes für einen Download aus dem iTunes-Store von Apple aufgedruckt", erzählt er. "Die beiden Marken verbesserten gegenseitig ihr Image und die Pepsi-Kunden lernten Apples iTunes kennen. Für weitere Downloads müssen sie jetzt natürlich bezahlen." Derweil glaubt Tauchner an die Zugkraft des guten alten Sonderangebotes: "Couponing wird die Killerapplikation. Manche Supermarkt-Ketten sammeln bereits die Handynummern ihrer Stammkunden, um dann virtuelle Gutscheine per SMS schicken zu können. Mit einer guten Datenbank können die Streuungsverluste von SMS-Coupons gegen Null gehen."