Nach Ford-Absage: Ringen um Daewoo beginnt von vorn - DER SPIEGEL
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Nach Ford-Absage Ringen um Daewoo beginnt von vorn

Die Zukunft des angeschlagenen südkoreanischen Autobauers sieht schwarz aus: Die Gläubiger stehen statt mit den Ford-Milliarden mit leeren Händen da. Konkurrent DaimlerChrysler hat offenbar auch kein Interesse mehr an einer Übernahme.
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Seoul - Nach mehrmonatigen Exklusiv-Verhandlungen hat der US-Autokonzern Ford die Übernahme des bankrotten südkoreanischen Autobauers Daewoo Motor platzen lassen. Ford werde kein endgültiges Angebot für die Übernahme des hochverschuldeten Unternehmens vorlegen, teilte der Konzern am Freitag überraschend mit. Der stellvertretende Ford-Chef Wayne Booker erklärte, es habe sich kein Angebot finden lassen, das "im besten Interesse der Aktionäre von Daewoo und Ford" gewesen wäre.

Ein Daewoo-Motors-Sprecher bedauerte den Rückzug des zweitgrößten Autoherstellers der Welt. Ford hatte im Juni ein zunächst noch unverbindliches Angebot in Höhe von 6,9 Milliarden Dollar für Daewoo Motor vorgelegt. Damit konnte sich der Konzern gegen die Konkurrenten General Motors und DaimlerChrysler mit Hyundai durchsetzen.

Hogen Oh, der Vorsitzende des Restrukturierungskomitees bei Daewoo Motor, sagte: "Wenn sich das Gebot von Ford als nicht haltbar erweist, müssen wir mit jemand anderem verhandeln." Beide verbliebenen Konsortien müssten nun neue Gebote vorlegen. Analysten erwarten, dass sowohl General Motors als auch Hyundai Motor sehr an einem neuen Gebot interessiert sein werden. General Motors hatte wiederholt gesagt, Daewoo Motor sei für die Asien-Strategie des Konzerns wichtig.

Von Hyundais Seite hieß es, man werde in Absprache mit dem strategischen Partner DaimlerChrysler die Frage der Teilnahme an einer neuen Bieterrunde "sorgfältig prüfen". DaimlerChrysler zeigte allerdings mit Verweis auf die schwierige finanzielle Lage von Daewoo keinerlei Interesse an dem südkoreanischen Autokonzern. An dieser Haltung ändere auch der Ford-Rückzug nichts, sagte Firmensprecher Michael Pfister. DaimlerChrysler war im Juni bereits während des Bieterverfahrens auf Distanz gegangen.

Branchenexperten schlossen nicht aus, dass Ford mit dem spektakulären Rückzug den Preis für Daewoo drücken und dann die Gespräche wiederaufnehmen wolle. Vertreter des mit dem Verkauf beauftragten Wiederaufbau-Komitees von Daewoo hielten neue Verhandlungen jedoch für wenig wahrscheinlich. "Wir sind geschockt und enttäuscht", sagte Komitee-Mitglied Han Young-Chul. Die Daewoo-Gläubiger sollen nun am Montag über die Zukunft des Autobauers beraten.

Die Suche nach einem neuen Käufer für Daewoo hat über das Unternehmen hinaus reichende Wirkungen, sagte Richard Pyo, Analyst bei CS First Boston. So sei der anstehende Verkauf anderer Gesellschaften aus dem Daewoo-Konzern gefährdet. Es entstünden Zweifel, ob die Daewoo-Konzerngesellschaften überhaupt zu verkaufen seien, sagte Analyst Chang Choong-lynn von Daewoo Securities.

Die Nachricht von der Nichtübernahme schockierte die Finanzmärkte der Region. Sorgen über weitere Liquiditätsprobleme der heimischen Unternehmen und die Inflationsgefahr durch die Ölpreissteigerung hatten in den vergangenen Wochen schon für Verunsicherung gesorgt. Der Hauptindex der Börse in Seoul verlor am Freitag 3,4 Prozent.

Daewoo Motor war im vergangenen Jahr im Sog des Mutterkonzerns Daewoo unter einer gigantischen Schuldenlast zusammengebrochen. Die Verbindlichkeiten belaufen sich derzeit auf rund 18 Milliarden Mark. Der Wert des Unternehmens wird auf 25,1 Milliarden Mark geschätzt. Es hat eine Kapazität von jährlich zwei Millionen Neuwagen und elf Werke in Übersee.

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