Aufs Jahr hochgerechnet Notenbank befürchtet Einbruch der US-Wirtschaft um bis zu 30 Prozent
Arbeitssuchende im Bundesstaat Arkansas: Die wirtschaftlichen Prognosen aus den USA sind beunruhigend
Foto: Nick Oxford / REUTERSFabriken stehen still, der Dienstleitungssektor liegt zu großen Teilen brach und der private Konsum ist massiv zurückgegangen: In nahezu allen wirtschaftlichen Bereichen machen sich die Auswirkungen der Corona-Pandemie und der damit verbundenen Beschränkungen bemerkbar. Das gilt weltweit, und natürlich auch für die von der Viruswelle besonders hart getroffenen Vereinigten Staaten.
Dort könnte die Wirtschaft im laufenden Quartal nach Einschätzung der Notenbank Fed um bis zu 30 Prozent schrumpfen. Es sei gut möglich, dass das Bruttoinlandsprodukt infolge der Pandemie um 20 bis 30 Prozent abnehme, sagte Fed-Direktor Jerome Powell am Sonntagabend (Ortszeit) in einem Interview des Fernsehsenders CBS.
Allerdings sind die Werte traditionell annualisiert, also auf das Jahr hochgerechnet. Die Zahl sei deshalb "viermal so hoch wie der Betrag, um den die Wirtschaftsleistung in diesem Quartal schrumpft", sagte Powell CBS . Der eigentliche Rückgang dürfte dementsprechend geringer ausfallen. Daten zur Wirtschaftsleistung der USA können wegen der Annualisierung häufig nicht direkt mit entsprechenden Zahlen aus Europa verglichen werden.
Jerome Powell (Archivbild): "Gute Chance", auf Wachstum im dritten Quartal
Foto: Carlos Barria / REUTERSPowell hält es zudem für wahrscheinlich, dass die US-Arbeitslosenquote auf 20 bis 25 Prozent steigt. Im ersten Quartal war die Wirtschaftsleistung der USA bereits um 4,8 Prozent geschrumpft. In der Bilanz der ersten drei Jahresmonate hatte sich die Pandemie aber noch nicht voll niedergeschlagen.
Powell rechnet nach eigenen Worten dennoch nicht damit, dass die Wirtschaftskrise in den Vereinigten Staaten ähnliche Ausmaße annimmt wie in den Dreißigerjahren des vergangenen Jahrhunderts. Er sehe eine "gute Chance", dass es im dritten Quartal wieder eine Zunahme des Wachstums gebe, sagte er.
Entscheidender Faktor für das Wirtschaftswachstum sei aber, dass die Ausbreitung des Coronavirus abnehme, betonte der Notenbankchef. Damit die US-Wirtschaft sich komplett erhole, sei es "vielleicht" nötig, dass es einen Impfstoff gegen den neuartigen Erreger gebe.
Privater Konsum bricht ein, die Arbeitslosigkeit wächst
Die Zahl der wöchentlichen Anträge auf Arbeitslosenhilfe war in den USA zuletzt erneut höher ausgefallen als erwartet. Fast drei Millionen Menschen stellten einen entsprechenden Erstantrag, insgesamt haben damit seit Mitte März 36 Millionen Menschen in dem Land ihren Job verloren.
Auch der US-Einzelhandel ist von der Corona-Pandemie im April so stark getroffen worden wie noch nie seit Beginn der Statistik. Ökonomen erwarten beim privaten Konsum für das laufende Quartal einen Einbruch von bis zu 40 Prozent. Der Bereich macht mehr als zwei Drittel der US-Wirtschaftsleistung aus.
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Präsident Donald Trump will Amerikas Wirtschaft möglichst schnell wieder ins Rollen bringen. Er ermuntert die Bundesstaaten, ihre Lockdown-Politik zurückzufahren, und er wünscht sich, dass Amerikas Schüler nach den Ferien wieder in die Schule gehen.
Trump will Wahlerfolg - und widerspricht dem eigenen Experten
Dahinter steckt auch Eigeninteresse: Trump will die Präsidentschaftswahl im November um jeden Preis gewinnen. Dafür braucht er ein rasches Ende der Krise - und eine brummende Wirtschaft. Er hofft darauf, dass die schnelle Öffnung des Landes nicht die gravierenden Auswirkungen auf die Todeszahlen hat, vor denen die Experten ihn warnen.
So hatte der führende Epidemiologe der USA bei seinem Auftritt im Gesundheitsausschuss des Senats eindringlich von einer vorschnellen Lockerung der Corona-Beschränkungen abgeraten. In einer Mail an die "New York Times" hat Anthony Fauci vorab seine wichtigste Botschaft beschrieben: Die Amerikaner würden "unnötiges Leid und Tod" erfahren, wenn das Land seine Wirtschaft zu schnell öffne, so Fauci. Später nannte Trump diese Einschätzungen seines eigenen Beraters "nicht akzeptabel".
Anmerkung: Wir haben den Hinweis ergänzt, dass die Quartalszahlen zur Wirtschaftsleistung in den USA annualisiert sind.