Post Ver.di fordert höheres Briefporto
Berlin - Ver.di hat eigene Pläne, um das Briefgeschäft der Deutschen Post wieder lohnender zu machen: In Deutschland sollen künftig teurere Marken auf Briefe geklebt werden, schlägt die Dienstleistungsgewerkschaft vor. "Es hat seit 1997 keine Preiserhöhung für den Standardbrief der Post gegeben - vielleicht sollte der Vorstand darüber einmal nachdenken", sagte Ver.di-Vorstandsmitglied Andrea Kocsis, die zugleich stellvertretende Aufsichtsratsvorsitzende der Post ist, der "Welt".
Um das Briefgeschäft profitabler zu gestalten, hatte Post-Chef Frank Appel zuvor angekündigt, dass Zusteller länger arbeiten sollen. Ohne Mehrarbeit der Briefboten drohten Entlassungen im Konzern. Ver.di lehnt längere Arbeitszeiten jedoch kategorisch ab. "Ich kann mir derzeit nichts vorstellen, was dazu führen würde, dass wir einer längeren Arbeitszeit zustimmen werden", sagte Kocsis. Im Gegenteil, die Post müsse die Arbeitszeit verringern.
Das Briefgeschäft gilt seit langem als Sorgenkind der Post . Briefe schreiben wird immer unbeliebter, stattdessen werden E-Mails oder SMS verschickt. Zudem bedrohen das Ende des Postmonopols und künftig wegfallende Steuerprivilegien das Postergebnis. Um Kosten zu sparen, hatte der Konzern zuletzt angekündigt, ab Juli Briefe nachts nicht mehr mit Flugzeugen, sondern mit Lkw zu transportieren. Zudem sollen zahlreiche Briefzentren sonntags geschlossen bleiben.
Längere Arbeitszeiten für Briefträger würden einem Sinken des Stundenlohns gleichkommen. "Ein Absenken der Löhne ist mit mir nicht zu machen", sagte Kocsis. Früher seien beide Seiten bei der Post bei solchen Themen ordentlich miteinander umgegangen. "Der Weg ist jetzt verlassen worden", beklagte sie sich über Appel.
"Natürlich weiß auch die Gewerkschaft, dass die Briefsparte der Post auf Dauer strukturelle Probleme hat", räumte Kocsis ein. Das sei keine neue Entwicklung. Die Frage sei vielmehr, wie man darauf reagieren solle. "Das Mitschwimmen auf der Krisenwelle halte ich für ausgesprochen unseriös", sagte sie.