Putsch bei ABB Der Napoleon von Zürich
Zürich - Mit dem Wechsel in der Chefetage des schwedisch-schweizerischen Technologiekonzerns hatte kaum jemand gerechnet: Dormann, bisher Vorsitzender des Verwaltungsrates, übernimmt zusätzlich zu diesem Amt auch die operative Führung. Er ersetzt den bisherigen ABB-Präsidenten, den Schweden Jörgen Centerman, der zurückgetreten ist - offenbar auf Druck des Verwaltungsrates. ABB werde sich weiter auf das Kerngeschäft in den Bereichen Automations- und Energietechnik konzentrieren, hieß es.
Dormann ist seit 1998 Mitglied im ABB-Verwaltungsrat und seit November 2001 Vorsitzender des Gremiums. Zugleich steht er weiter an der Spitze des Aufsichtsrats von Aventis. Den Zusammenschluss des französischen Unternehmens Rhone-Poulenc und der deutschen Hoechst zu Aventis hatte Dormann zuvor als Vorstandsvorsitzender geleitet. Centerman war Anfang 2001 an die ABB- Spitze gerückt.
ABB hat seit geraumer Zeit mit einer Reihe von Problemen zu kämpfen. Dazu gehören neben der Konjunkturflaute ein Kurswechsel in der Unternehmensstrategie, der auf die Rückkehr zum angestammten Geschäft hinausläuft. Ferner drückt ABB ein Schuldenberg, der sich Mitte 2002 auf 5,6 Milliarden US-Dollar aufgetürmt hat und bis Jahresende durch Verkauf von Firmenteilen auf 2,6 Milliarden Dollar reduziert werden soll. Daneben sind gegen ABB Asbestklagen in den USA anhängig, für die hohe Rückstellungen anfallen. Im ersten Halbjahr 2002 verbuchte ABB einen drastischen Gewinneinbruch um 62 Prozent auf 101 Millionen Dollar.